2017: Reformation

Luther weckt die Kirche auf

Eine neue Kirche hatte Martin Luther nicht im Sinn, doch seine Thesen zeigten, dass sie notwendig wurde. 


689957_original_R_by_Dieter Schütz_pixelio.de KLEINKirche, die am Boden liegt

Im ausgehenden Mittelalter ging es in der Kirche turbulent und unordentlich zu. Das Papsttum war verweltlicht. Priester verloren sich in Unsittlichkeit, Bischöfe in Pflichtvergessenheit. Der Zustand war so beklagenswert, dass Martin Luther sich genötigt sah, seine Predigt am 24. Februar 1517 mit folgenden Worten zu beenden: „O Gefahren unserer Zeit, o schlafende Priester, o mehr als ägyptische Finsternisse.“ Luther hatte mit diesen Worten schon das „Ablassunwesen“ im Blick, gegen das er Monate später seine 95 Thesen richtete.

Ablass, der zum Himmel stinkt

Denn die Hoffnung, gegen Geldspenden seine Sünden vergeben zu bekommen breitete sich seinerzeit ungehindert aus. Umtriebige „Fabelredner“ wie der „Ablasskommissar“ Tetzel bedrängten die Gläubigen durch „freche Ablasspredigten.“ Sie versprachen ihnen den Erlass (=Ablass) kirchlich auferlegter Strafen und ließen sie im Glauben, man würde sofort nach Erwerb der Ablässe selig.

Wer einen Ablassbrief für einen Viertelgulden – nach heutigem Wert etwa zehn Euro – erworben hatte, konnte darauf bestehen, dass der Priester ihn von allen Strafen der Hölle und des Fegefeuers absolvierte. So hat die Kirche zugelassen, dass aus Beichte, Vergebung und Buße ein abstoßendes Geldgeschäft wurde. Darin waren neben dem Papst auch der junge Erzbischof von Mainz und das Augsburger Bankhaus Fugger verwickelt.

Man konnte dieser verweltlichten Kirche nur zurufen: „Die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf!“ (Röm.13,11)

Kirche, die sich wecken ließ

Gott selbst übernahm den Weckdienst und Martin Luther wurde seine gewaltige Stimme. Es war ein langer, quälender Weg für den jungen Doktor der Theologie, bis er schreiben konnte: „Nicht darum wird einer von Gott angenommen, weil er gerecht ist, sondern weil er von Gott angenommen wird, darum ist er gerecht.“ Dieses Evangelium prallte auf die Ablasskampagne. Martin Luther provozierte die gelehrte Welt mit 95 Thesen und sorgte für eine öffentliche Ablass-Diskussion. Der 31. Oktober war klug  gewählt, denn am folgenden Gedenktag der Heiligen wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg eine riesige Reliquiensammlung präsentiert, die über 1370 Jahre Ablass versprach.

Alle Reliquienverehrer, die nach alter Gewohnheit in die Ablasskiste greifen wollten, mussten dann an jenem 31.10.1517 lesen: Der wahre Schatz der Kirche ist das hochheilige Evangelium der Ehre und Gnade Gottes! (These 62)

Mit 95 Thesen, „die in 14 Tagen schier durch ganz Deutschland liefen“, hat Luther die Kirche wachgerüttelt. Seitdem hat der Heilige Geist viel damit zu tun, dass die Kirche wach bleibt – und der Herr Christus die Mitte!

Wolfgang Schillhahn