2016: Christenleben

Mit Christus in einem Boot

Manchmal meinen wir, dass Jesus schläft. Dabei wacht er in jedem Lebenssturm über uns.

(c) Günter Havlena/pixelio.de

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„Wir sitzen alle in einem Boot.“ Ich höre diesen Satz und kann leicht zustimmen. Ja, so ist es: Wir sitzen alle in einem Boot und haben deshalb eine gemeinsame Verantwortung, einen gemeinsamen Erfolg oder ein gemeinsames Problem. Ein gemeinsames Problem hatten auch die Jünger Jesu, von denen das Markusevangelium (Kapitel 4) unter der Überschrift „Stillung des Sturms“ schreibt.

Mit Christus in einem Boot

Abend ist es geworden und der Herr Christus fährt mit seinen Freunden in einem Boot über den See Genezareth. Mitten auf dem See beginnt es zu stürmen. Die gefürchteten starken Winde peitschen das Wasser auf und die Männer rudern wie verrückt. Wasser und Angst werden immer bedrohlicher. Aber Jesus liegt im Boot und schläft. Die Jünger verstehen das nicht und erregen sich: „Sag mal, fragst du nichts danach, dass wir hier untergehen?“ Christus steht auf, bedroht den Sturm und spricht: „Still!“ Der Wind legte sich. Wir wissen, was Wellen und Sturm sind. Sie gehören auch zu unserem Leben in der Familie, im Berufsalltag und in der Gemeinde: Krankheit. Enttäuschungen. Seelische Verletzungen. Kleiner werdende Gemeinden. Langdauernde Vakanzen. Misserfolge trotz aller Bemühungen. Mobbing. Weltweite Konflikte. Das Boot, in dem wir alle sitzen, war schon immer ein Sinnbild für die Christengemeinde, die auf den Wogen des Weltgeschehens unterwegs ist in die Ewigkeit. Mit Recht fragt der Steuermann Jesus Christus: „Warum fürchtet ihr euch? Ich bin doch hier, warum vergesst ihr das immer?“ Die Angesprochenen erschrecken und fragen: „Wer ist der, der mitten in der tödlichen Gefahr so redet?“ Hier endet die Geschichte und geht doch irgendwie weiter.

Mit Christus im Leben 

„Ist da denn niemand, der mich mit meiner Angst zur Kenntnis nimmt?“ Die Frage der Jünger an den schlafenden Jesus ist auch unsere Frage. Wir brauchen jemanden, der Notiz nimmt von uns, wenn wir ins Schwimmen geraten und in Gefahr sind, unsere Bestimmung zu verlieren. Für alle Betroffenen gibt es eine gute Nachricht: Der, der Notiz von uns nimmt, ist längst da. Jesus Christus lebt. Er bleibt nicht am Ufer zurück, sondern ist bei Sonnenschein und Sturm mit in unserem Lebensboot. Er hört nicht auf zu fragen: „Was seid ihr so furchtsam?“

In jeder Predigt, in jeder Feier des heiligen Abendmahls, bei jedem Gebet, in jeder Bewahrung, aber auch in jeder Traurigkeit werden wir zum Gebet eingeladen: „Der Herr ist mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ Nur mit diesem Herrn „in einem Boot“ können wir weiterrudern, weiterfahren, weiterleben und selig werden.

Wolfgang Schillhahn