2015: Bekenntnisse

Die Essenz der Schrift

Die Bekenntnisse ersetzen nicht die Bibel, aber sie helfen uns, aus dem Wort zu leben. 

 

iStock_000000470453MediumSchrift und Bekenntnis?

In der Pause eines anregenden Vortragsabends schlendere ich durch die Flure der gastgebenden Gemeinde. Ich komme an einer kleinen Pausen-Gesprächsrunde vorbei und höre, dass Pastor C. die anderen mit erhobener Stimme belehrt: Was du sagst, ist gegen „Schrift und Bekenntnis!“ Was bedeutet die in lutherischen Kreisen oft und gerne genutzte Formulierung „Schrift und Bekenntnis“ eigentlich? Unser Jahresthema nennt das Bekenntnis die „Essenz der Schrift“ und meint damit: Das Bekenntnis ist der Kern der Schrift.

Erstens: Die Schrift 

Um die Schrift geht es zuerst. Gemeint ist die Bibel, von der wir bekennen, dass sie als Altes und Neues Testament Gottes Wort ist. Der lebendige Herr Jesus Christus kommt durch das Wort der Heiligen Schrift zu uns und handelt an uns. Die christlichen Kirchen haben sich an diese Schrift, deren Mitte Jesus Christus ist, so sehr gebunden, dass allein nach ihr und allein nach IHM, „alle Lehren und Lehrer der Kirche beurteilt werden sollen.“ (Grundordnung der SELK)

Mancher fragt: Warum begnügen wir uns dann nicht mit der Schrift? Schmälern wir insgeheim nicht ihre Bedeutung, wenn wir ihr das Bekenntnis zur Seite stellen? Wir haben doch gelernt: „Sola scriptura“ – das heißt „allein die Schrift“. Sollte uns das auf der Suche nach dem Heil nicht reichen?

Zweitens: Das Bekenntnis

Nach der Schrift kommt „das Bekenntnis“. Es umfasst die drei ökumenischen Glaubensbekenntnisse der ersten Jahrhunderte sowie die lutherischen Bekenntnisschriften des 16. Jahrhunderts. Die einzelnen Bekenntnisschriften sind zusammengefasst im Konkordienbuch von 1580.

Das Konkordienbuch enthält ein umfangreiches Bibelstellen-Register und eine beeindruckende Zitatensammlung zahlreicher Kirchenväter. Schon das weist darauf hin, dass die lutherischen Bekenntnisschriften nichts anderes sind als eine Auslegung der Heiligen Schrift. Bekenntnisse sind nicht freischwebende theologische Meinungen, sondern in ihnen spricht die eine, heilige, christliche Kirche. Diese Kirche bindet sich an die Bekenntnisse, weil in ihnen an die Adresse der ganzen Christenheit „die schriftgemäße Lehre bezeugt ist“. So wird die heilige Schrift für Verkündigung und Lehre zur bestimmenden „übergeordneten Norm“. Das Bekenntnis aber steht ihr als „untergeordnete Norm“ zur Seite. Das Bekenntnis setzt die Schrift voraus.

Schrift und Bekenntnis

Die Heilige Schrift ist die alleinige Norm aller kirchlichen Lehre. Deshalb können wir von „Schrift und Bekenntnis“ nur dann verantwortungsvoll reden, wenn wir mit unseren Bekenntnisschriften unter der Heiligen Schrift stehen. Die Bekenntnisschriften stehen wohl unter der Schrift, aber sie stehen über aller kirchlichen Lehre auf Kanzel und Katheder. Sie sind Maßstab und Vorbild. Sie helfen uns, unbeeindruckt von allen modernen Theologien, Zeitgeistmeinungen und theologischen „Schulen“ die apostolische Lehre zu verkündigen und zu bewahren, indem wir sie auf unsere Situation anwenden und in unser Leben mitnehmen. Dabei hilft uns unser Evangelisch-Lutherisches Gesangbuch mit einigen wichtigen Texten: Auf den Seiten 1233 – 1237 finden wir die drei altkirchlichen Bekenntnisse, auf den Seiten 1238 – 1262 das Augsburger Bekenntnis und auf den Seiten 1263 – 1277 den Kleinen Katechismus.

Wolfgang Schillhahn