23.08.2016

Hören wir auf Gott?

Der Begriff „Gehorsam“ ist in unseren Tagen nicht sonderlich populär. Dafür gibt es viele Gründe – nicht wenige haben mit unserem Verhältnis zu Gott zu tun.

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich ein Wort wie „Gehorsam“ zu keiner Zeit großer Beliebtheit erfreut. Bis ins 18. Jahrhundert wurde es gern auch synonym mit „Gefängnis“ gebraucht, woran heute noch das Wort „Gewahrsam“ erinnert. Womöglich ist der Gehorsam heutzutage gar auf dem Zenit seiner Unpopularität angekommen. Allenfalls verzweifelte Eltern fordern ihn noch beim Nachwuchs ein, wenn ihnen die Argumente ausgehen und vielleicht ist das Militär inzwischen die letzte Bastion, in der Gehorsam einen Rest von öffentlicher Akzeptanz genießt.

Was also fangen wir an mit diesem begrifflichen „Auslaufmodell“? Ausrangieren? Oder sollten wir vielleicht nur eine andere Perspektive darauf suchen?

Es liegt ja durchaus nahe, den Begriff negativ zu bewerten. Wenn wir „gehorchen“ sollen, erwartet meist jemand etwas von uns, das wir eigentlich nicht tun wollen. Dazu sind der „blinde Gehorsam“ oder gar „Kadavergehorsam“ sind nicht gerade positiv belegt in einer Zeit, in der jeder sehr genau zu wissen glaubt, was das Beste für ihn ist.

Vor diesem Hintergrund hilft uns vielleicht die Perspektive eines Kindes, im Gehorsam dennoch einen Schatz zu entdecken: Besonders bei kleinen Kindern erlebt man häufig einen tief verwurzelten Gehorsam gegenüber den Eltern. Dieser speist sich aus einem scheinbar grenzenlosen Grundvertrauen darauf, dass die Eltern ihrem Kind nur Gutes wollen. Zwar verliert sich dieser Zustand zum Leidwesen vieler Eltern im gleichen Tempo wie das Selbstvertrauen der Kinder wächst. Dennoch taugt er recht gut zur Beschreibung des Gehorsams, den die Bibel fordert.

Schon ganz zu Beginn des Alten Testaments scheitern Menschen am Gehorsam Gott gegenüber – Adam, Eva, Kain. Sie alle hinterfragen Gottes Anordnung aus ihrer Perspektive. Ganz anders Abraham: Er sieht sich mit der völlig inakzeptablen Forderung konfrontiert, seinen Sohn Isaak zu töten. Was täten wir? Wir würden einen Handel versuchen, diskutieren oder Gottes Anweisung schlicht ignorieren. Doch Abraham geht einen anderen Weg. Er wechselt die Perspektive. Der gestandene Mann wird zum kleinen Kind, das sein ganzes Vertrauen in den himmlischen Vater setzt – sein Wille kann doch nur zu Gutem führen! Abraham fügt sich und es wird ihm zum Segen.

Wenn es in der Apostelgeschichte heißt, man solle „Gott mehr gehorchen als den Menschen“, schließt das auch uns selbst ein. Unsere Argumente sollten wir nicht immer wichtiger nehmen als Gottes Wort. Vielleicht verwendet Martin Luther darum das Wort „Gehorsam“ in verschiedenen Ausprägungen mehr als 40 Mal in seinem „Großen Katechismus“, obgleich es in der gesamten Heiligen Schrift weniger als 50 Mal fällt.

Leicht war es nie und ist es nicht, gehorsam zu sein. Als Kind nicht, wenn man eigentlich zur Schlafenszeit noch weiterspielen möchte. Als Christ nicht, wenn man Gottes Willen kennt und die Verlockungen der eigenen Weg sieht. Und ganz sicher war es für Jesus Christus nicht einfach, „gehorsam bis zum Tode am Kreuz“ zu bleiben. Doch für unsere Erlösung setzte er sein Vertrauen darauf, dass die Wege des Vaters schlussendlich zu einem segensreichen Ende führen. Diese Verheißung hat sich für Christus bereits in seiner Himmelfahrt erfüllt. Uns, die wir in seiner Nachfolge stehen wollen, steht diese Erfüllung noch bevor. Darum tun wir gut daran, seinem Beispiel zu folgen und im Hören auf Gottes Wort Erlösung zu finden.

Erik Braunreuther