12.04.2016

Christliche Freiheit

Pfarrer Hinrich Müller hat zum Thema „Christliche Freiheit“  Splitter aus Gesprächen mit Jugendlichen notiert.

1 – Christliche Freiheit, das ist so zu leben, wie ich das als Christ möchte – meine Meinung sagen, zum Gottesdienst oder zu christlichen Veranstaltungen gehen, die Party am Samstagabend so gestalten, dass ich am Sonntagmorgen zum Gottesdienst gehen kann und nicht ausschlafen muss – ohne dass ich dafür belächelt oder gemieden werde und ohne dass sich das negativ für Beziehungen zu Freunden auswirkt.

2 – Ich wünsche mir so frei als Christin zu leben – so intensiv und ernsthaft, wie ich das möchte, ohne dass sich ein nichtchristlicher Klassenkamerad über mich lustig macht und mit für überspannt hält.

 3 – Christliche Freiheit – die wünsche ich mir besonders in der Schule! Ich erlebe sie leider nicht! Dass ich z.B. im Biologieunterricht Zweifel anmelden kann, wenn behauptet wird, die Evolutionstheorie sei erwiesen und mehr als eine – vielleicht einleuchtende – Hypothese, ohne dafür in eine Ecke gestellt zu werden als ewig Gestrige, die nicht weiter ernst zu nehmen ist.

4 – Ich finde es wunderbar, dass ich in einem Land lebe, in dem ich die christliche Freiheit habe, nichts von meinem Christsein verstecken zu müssen. Ich darf beten, wann ich will, in den Gottesdienst gehen, Bibel lesen, über den Glauben sprechen, mich öffentlich äußern, ohne dass mich dafür irgendwer belangt. Diese Freiheit haben Christen in Ländern wie Nordkorea oder Iran nicht, weil sie dort massiv verfolgt werden.

5 – A: Ich fühle mich unendlich frei – von Sorgen, von Ängsten! Ich weiß, Gott ist da; der hält mich, der hat einen Plan für mich und mein Leben, mir geht es wunderbar!

B: Und du hast nie Sorgen oder bist traurig oder mal nicht gut drauf? Das glaube ich dir nicht!

A: O.k., ich muss zugestehen, es geht mit auch mal nicht so gut, aber das ist es doch genau: Dann kann ich doch zu Gott zurück – kann mich Jesus in die Arme werfen und ich spüre seine Nähe und bekomme wieder Kraft und merke, wie er mich trägt. Das ist das Wunderbare, das macht mich unendlich frei gegenüber all dem Zeug, was mir jeden Tag passieren kann. Ich weiß, der Herr hält mich fest – immer – egal, in welchem Mist ich gerade stecke!

B: Toll, wenn es dir so geht; ich fühle mich manchmal ziemlich im Stich gelassen und überhaupt nicht frei, sondern geradezu gefangen von den 1000 Sachen, die ich nicht im Griff habe, sondern die mich in die Ecke treiben!

6 – A: Ich find’s cool, christliche Freiheit heißt für mich: Ich bin frei von Sünde, ich habe freie Bahn in den Himmel!

B: Na so ist es ja nun auch nicht! Du bist doch gar nicht frei von Sünde!

A: So habe ich es nicht gemeint; natürlich begehe ich Sünde! Aber ich bin frei von der Konsequenz! Ich habe immer die Gewähr, dass Jesus mir vergibt, wenn ich ihn um Verzeihung bitte!

B: Du meinst, du hast die Freiheit zu sündigen, weil du mit Sicherheit immer wieder von Jesus angenommen wirst und er dir vergibt! Also, das hört sich jetzt so an wie ‚Du kannst ein Schwein sein – ist doch egal, Jesus vergibt immer! Das kann es ja wohl nicht sein!

A: So meine ich das auch nicht! Egal ist das nicht! Aber stimmt es nicht: Jesus sagt doch nie: Jetzt ist Schluss! Kann ich mich darauf nicht verlassen? Ich bin sicher, ich kann!

7 – A: Christliche Freiheit bedeutet für mich: Ich muss gar nichts! Ich muss nicht zum Gottesdienst gehen, ich muss nicht beten – alles ist freiwillig – oder? Wir haben doch keine Sonntagspflicht wie die Katholiken – oder?

B: Und was ist dann mit dem 3.Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen? Das ist doch ernst gemeint von Gott!

A: Feiertag heiligen – das kann ich doch so oder so machen, wie ich es für sinnvoll halte! Es gibt doch keinen Zwang. Gott gibt doch Freiheit! Er will doch keine Roboter, die ihn stündlich 10 Minuten anbeten, sondern wir Menschen sind seine Kinder, denen er große Freiheit lässt, wie sie ihr Leben gestalten.

B: Na toll, und was ist dann, wenn ein Gotteskind sich einen Dreck schert um Gott? Das kann doch nicht gemeint sein!

C: Ich kann das nur in einem Vergleich sagen: Das ist so wie in der Familie. Eltern können ein Kind auch nicht zwingen, in enger Verbindung zu ihnen zu leben. Sie wünschen sich das normalerweise sehr, tun sicher auch alles dafür, dass diese enge Verbindung entsteht, aber zwingen können sie ihr Kind nicht. Das macht Gott auch nicht! Er möchte es schon, dass wir uns ganz eng an ihn binden, aber wenn ein Mensch nicht will, lässt er ihn in Freiheit gehen.

B: Das Problem ist nur, dass ein Mensch, der meint, christliche Freiheit heißt, sich von Gott weit zu entfernen, sich ganz viel entgehen lässt, was er in Gottes Nähe haben könnte.

C: Das ist genau so wie mit unserem Körper: Jeder hat die Freiheit, nichts für den Körper zu tun, also extrem bewegungsfaul zu sein. Aber jeder weiß auch, dass sich das irgendwann rächt, weil man keine Muskeln aufgebaut hat und Probleme bekommt z.B. mit seinem Rücken oder mit seinen Gelenken.

A: Also in Kurform: Ich habe die Freiheit, mich weit von Gott zu entfernen. Aber es tut mir nicht gut 

8 – A: Das mit den Geboten – das ist doch die totale Einschränkung unserer Freiheit. Dieses dauernde „du sollst“ und „du sollst nicht“!

B: Du glaubst also, du wärest freier, wenn du eines oder mehrere Gebote beiseite legen könntest und es nicht zu beachten brauchtest. Dann überleg bitte mal anders herum: Welches Gebot braucht jemand anderes dir gegenüber nicht einhalten, damit der andere freier ist.

A: Du hast natürlich Recht: Mein eigenes Leben und meine Lebensumstände sind geschützt, weil die Gebote für andere gelten.

B: Also in Wahrheit sind die Gebote eine regelrechte Befreiung. Was hättest du für Sorge um dein Leben, wenn es die Gebote nicht gäbe. Sie sind absolut keine Einschränkung deiner Freiheit, sie sind die Garantie deiner Freiheit.

 

9 – A: Ich behaupte: Echte Freiheit bekomme ich nur, indem ich mich ganz eng an Jesus Christus binde!

B: Wieso, das ist doch ein Widerspruch in sich selbst: Bindung heißt doch gerade nicht frei sein!

A: Keiner lebt einfach nur so für sich. Wir sind immer auf andere Menschen bezogen, verhalten uns entsprechend ihren Erwartungen, übernehmen ihre Beurteilungen usw. .

B: Du meinst, wir sind in Wahrheit immer irgendwie abhängig und gebunden und nicht wirklich frei – egal ob uns das bewusst ist oder nicht.

A: Genau! Und dann ist es doch das Allerbeste, mich an den zu binden, der auf jeden Fall das Gute für mich will: Jesus Christus! Und der meinem Leben die Richtung gibt, so dass ich weiß, wer ich bin und wo ich hingehöre und was das Ziel meines Lebens ist.

B: Klar, dann geht dir vielleicht manches, was die anderen sagen, am Arsch vorbei und du hast eine kritische Distanz zu allem, was dir Menschen erzählen, was wichtig und dringend nötig sei.

A: Eben! Und dann kannste richtig cool bleiben, und musst dir nichts erzählen lassen von den Kumpels, was gerade ganz toll ist und in und Kult. Das kannste ganz locker an dir abperlen lassen.

B: Tja, das wäre es natürlich! Solche coole Freiheit!

 

Hinrich Müller