20.02.2015

Didache – die „Lehre der Apostel“

Die „Didache“ als frühe Kirchenordnung zeigt, wie wichtig gemeinsame Bekenntnisse für die Christenheit sind. Wolfgang Schillhahn erklärt, was sie bedeutet, was sie ist und was sie sagt.

Die Didache: Was sie bedeutet.

Die Didache ist eine Kirchenordnung aus einer Epoche, in der die sich bildenden Gemeinden Rahmen und Gestalt brauchten. Die eigentliche neutestamentliche Zeit ging ihrem Ende zu. Die Namen der großen Apostel standen noch am Horizont, aber verblassten allmählich. Erste Probleme der jungen Gemeinde zeigten sich.

Die erste christliche Generation hat Liturgie und Gottesdienst  nach dem Vorbild der Synagoge gestaltet. Die Überzeugung, dass der christliche Glaube auch eigene, neue Formen brauche, hat sich besonders unter dem Einfluss des Apostels Paulus implementiert. Spannungen zwischen  nichtjüdischen und jüdischen Christen mussten bearbeitet werden. Der anfänglich große geistliche Aufbruch drohte in Enthusiasmus und Schwärmertum unterzugehen. Sekten unterschiedlicher Art ließen ganz neue Fragen aufbrechen und bedrohten die junge Kirche.

Einheitliches Handeln der Christen  unterschiedlichster Herkunft wurde erforderlich. Nach den Missionaren der Anfangszeit betraten nun Hirten, Seelsorger und Lehrer die christliche Bühne

Mit der Didache liegt der frühe Entwurf einer Gemeindeordnung vor, die als Taufkatechese Regeln des Gemeindelebens auflistet und sich bemüht, den Weg der jungen Gemeinde zu gestalten.

Darüber hinaus  stärkt sie als sehr seelsorgerliche Schrift unseren Glauben. Ihre Lebensregeln,  ihre  Hoffnung auf den wiederkommenden Herrn Christus und ihre Gebete sind im wahrsten Sinne des Wortes „erbaulich.“

 

Die Didache:  Was sie ist.

Die „Didache“ zählt nicht zu den Bekenntnisschriften der Kirche. Sie ist „nur“ eine Kirchenordnung, die sich mit Grundfragen des Gemeindelebens befasst.

Deshalb sage ich im Blick auf unser Jahresthema  mit einem abgewandelten Lutherzitat[1]:  Die Didache ist keine Bekenntnisschrift, aber „nützlich und gut zu lesen. “ Warum? Sie führt weit in die Anfänge der Kirche zurückführt und gewährt Einblicke in das Leben der frühchristlichen Gemeinde. Sie  steht in großer Nähe zum Neuen Testament und spricht Themen an, die wir durchaus in den Bekenntnisschriften  wiederentdecken und die helfen, das Glaubensleben in manchen Bereichen zu gestalten.

Die Didache erinnert uns an die Timotheusbriefe und an den Titusbrief, die in ihrer Thematik[2] Kirchenordnungen nicht unähnlich sind. Die Charakterisierung der Didache als urchristlicher Katechismus ist naheliegend.

Die Didache ist keine Verteidigungsschrift. Verteidigungsschriften des christlichen Glaubens sind erst in späteren Jahren  nötig geworden. Nach der Zeit der urchristlichen Mission und der Ausbreitung des Christentums wurden Regeln für den Alltag nötig,, um den Christenglauben zu bewähren. Die Didache wendet sich an Menschen, die die hl. Taufe begehren und genau  danach fragen: Was heißt Nachfolge Christi im alltäglichen Leben? Die Didache stellt Fragen des christlichen Alltags  und beantwortet sie.

Die Anrede „mein Kind“ (Kap.3+4) lässt erahnen, in welcher Atmosphäre gefragt und geantwortet wird.

Das griechische Wort „Didache“ meint: „Lehre der zwölf Apostel“ oder ausführlicher: „Die Lehre des Herrn durch die zwölf Apostel für die Heiden.“ Dieser Titel behauptet nicht die Verfasserschaft der Schrift durch die 12 Apostel, sondern er drückt aus, dass hier apostolische Lehre  verhandelt wird, auf die sich die „eine heilige christliche“ (katholische)  Kirche gründet.

Die Didache ist wohl die älteste erhaltene Kirchenordnung der Christenheit. Als Entstehungszeit wird das 1. Jahrhundert nach Christus angenommen. Eine  exakte Datierung ist uns verwehrt, aber  Hinweise auf das hoher Alter der Didache  sind nicht zu übersehen.

Der Kirchenvater Clemens (+ um 200) spricht in seinen Schriften von der Zwölfapostellehre und zitiert sie sogar als „Schriftwort“ d.h. bereits  um 200  muss die Didache schon eine gewisse Bedeutung gehabt haben.

Auch dir Frage nach dem Entstehungsort der Didache ist  nicht eindeutig zu beantworten.  Die Forscher denken an Ägypten oder an das palästinensische Syrien, wobei letzteres  bevorzugt wird, weil z.B. in der Didache (9,4)  von Getreide die Rede ist, dass sich aber keinesfalls mit Ägypten zusammenbringen lässt.

Die Didache existierte mehr als ein Jahrtausend im Verborgenen und wurde erst 1873 in einer Klosterbibliothek in Konstantinopel (Istanbul) wiederentdeckt. Dort war sie, allerdings mit nur sechs Kapiteln, Teil einer Pergament–Handschrift von 120 Blättern, die auf den  11.06.1056 datiert ist.[3]

Wir haben bis heute nur diese eine Didache-Handschrift und vereinzelte Bruchstücke des Textes. Eine verlässliche Erforschung der Didache wäre einfacher, wenn es umfangreicheres Vergleichsmaterial zur Didache gäbe.

 

Die Didache: Was sie sagt.

1.Gliederung

I. Die Zwei- Wege- Lehre

II. Agende: Spendung der Taufe, Fasten,  Gebet, Eucharistie

III. Apostel und Wanderprediger, innergemeindliche Verhältnisse, eschatologischer Abschluss[4]

Weitere Hinweise zur Didache und der deutsche Text finden sich unter  „www.kreuzgang.org Didache“

 

2.Inhaltlicher Überblick und Beispiele

Drei diesem Überblick eingefügte Beispiele mögen zeigen, dass die Didache  bereits Themen benannt hat, die sich bis heute als diskussionswürdig  erweisen.

(I.Hauptteil

Die Kapitel 1-6 der Didache  werden in Kapitel 7,1 als Taufunterricht deklariert. „Wenn ihr all das Vorhergehende  gesagt habt, ‚taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘…“

Das Vorhergehende sind die Kapitel 1-6, die „den Weg des Lebens und den Weg des Todes“ beschreiben. (vgl.Ps.1,6; Jer,21,8: Matth.7,13f; 2.Petr.2,15)

Neben vielen sittlichen Vorschriften nennt der Weg des Lebens das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe.

Der Weg des Todes wird mit einer Liste von Sünden und Lastern beschrieben.

Kapitel 6 als Abschluss des 1.Teils verheißt denen Vollkommenheit, die das Joch des Herrn  auf sich nehmen und tragen.

Beispiel aus Kapitel 2:

„Das zweite Gebot der Lehre aber (heißt): Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht Knaben schänden (!), du sollst nicht Unzucht treiben, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen, du sollst nicht das Kind durch Abtreiben umbringen (!) und das Neugeborene nicht töten(!), du sollst nicht begehren nach deines Nächsten Gut“.

 

II.Hauptteil

Die Kapitel 7-10 können wir mit Fug und Recht „Agende“ nennen. Besonders Kapitel 9+10 gelten als wichtigste Kapitel der ganzen Didache. Sie sind ein altkirchliches Rituale mit Anweisungen zur Taufespendung, zum Fasten und Gebet und, herausragend, zur Feier der Eucharistie. Hier finden sich drei  wunderbare, schlichte Gebete, die durch ihre biblische Verwurzelung für sich sprechen. (Gebete betreff des Kelches; / in betreff des gebrochenen Brotes..; /  wenn ihr gesättigt seid“)

Beispiel aus Kapitel 9,5:

Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie, außer die auf den Namen des Herrn getauft sind. Denn auch hierüber hat der Herr gesagt: „ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben“.

 

III.Hauptteil

Die Kapitel 11-1 informieren über Aufnahme und Bewirtung von Aposteln und Propheten. Aktueller Bezug sind herumreisende Brüder, die sich als Schwindler durchschlagen und zum Problem werden. Güte und Vorsicht werden empfohlen.

Weiter  wird über Feier des Herrentags sowie über die nötigen Eigenschaft und die Wahl von Bischöfen und Diakonen nachgedacht. Nicht unerwähnt bleiben die aus dem Christenglauben erwachsenen Verpflichtungen des einzelnen Gemeindeglieds Gott und den Mitchristen gegenüber.

Beispiel Kapitel 14, 1+2:

Am Tage des Herrn versammelt euch, brechet das Brot und saget Dank, nachdem ihr zuvor eure Sünden bekannt habet, damit euer Opfer rein sei. 2. Jeder aber, der mit seinem Freunde einen Streit hat, soll sich nicht bei euch einfinden, bis sie versöhnt sind, damit euer Opfer nicht entweiht werde.

Das Schlusskapitel (16)  ermahnt zur Wachsamkeit und erinnert an die bevorstehende Ankunft „des Herrn und seiner Heiligen“ am Ende der Welt.

Wolfgang Schillhahn

Dieser Text steht auch als PDF zum Download bereit: Didache – Schillhahn


[1]  M.   Luther bezog sich auf die alttestamentlichen Apokryphen. Es handelt sich um  Texte, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden, weil sie.  nicht allgemein anerkannt waren.

[2] Warnung vor falschen Lehren; Dienste in der Gemeinde; Der Apostel als Vorbild; Aufgabe für Titus etc.

[3] Dieses Datum hat der Schreiber eigenhändig unter die Dokumente gesetzt.

[4]eschatologisch,  Eschatologie = die Lehre von den letzten Dingen; Leben nach dem Tod des Einzelnen, Ende der Welt.