16.03.2014

Kurz und knapp: Fünf Fragen zur Kirche

Warum ist in der Lutherbibel nirgends von „Kirche“ die Rede? • Brauchen wir eine Institution „Kirche“? • Kann es aus christlicher Sicht eigentlich mehrere Kirchen geben? • „Man kann auch ohne Kirche an Gott glauben“. Stimmt das? • Die Kirche ist eine Stiftung Jesu. Was heißt das für uns als Christen? 

Warum ist in der Lutherbibel nirgends von „Kirche“ die Rede?

Im griechischen Text des Neuen Testaments kommt das Wort ekklesia vor, das übersetzt Kirche und Gemeinde bedeuten kann. Martin Luther hat sich für die Übersetzung „Gemeinde“ entschieden. Denn eine institutionalisierte Kirche gab es zur Zeit des NT tatsächlich noch nicht. Aber das Wort Kirche bezeichnet die Gemeinschaft der Gläubigen, die „zum Herrn gehören“ auf Griechisch: kyriake. So verbindet der Glaube an den einen Herrn auch alle Gemeinden zu einer kyriake also Kirche.

 

Brauchen wir eine Institution „Kirche“?

Die ersten Christen bildeten noch so etwas wie eine familiäre Gemeinschaft:  Man kannte sich, lebte zusammen und feierte gemeinsam Gottesdienst. Aber schon im Neuen Testament lesen wir von „Ältesten“, „Bischöfen“ und anderen Ämtern in den wachsenden Gemeinden. Die Ausbreitung des Evangeliums brachte die Notwendigkeit von Organisation und Institution mit sich. Schon im Neuen Testament werden die Aufgaben verteilt: Die einen predigen, die anderen kümmern sich um die Diakonie etc. Klare Strukturen helfen allen, sich zurecht zu finden – wenn sie nicht allzu starr sind. Am Ende soll alles der Verbreitung dr guten Botschaft dienen. Bis heute mögen sich die Formen der kirchlichen Institutionen wandeln, aber nötig bleiben sie in dieser Welt. Sie dürfen nur kein Selbstzweck werden.

 

Kann es aus christlicher Sicht eigentlich mehrere Kirchen geben?

Nein: Wenn man aufs Wesentliche blickt, gibt es nur eine Kirche Christi. Die Einheit dieser Kirche besteht in dem einen Herrn, Jesus Christus, an den alle Christen glauben. Allerdings ist es menschlich, dass sich die Christen über viele Glaubensfragen nicht immer einig sind – übrigens war das schon zu Zeiten des Apostels Paulus so. Die Kirchen stimmt aber in das Gebet Jesu ein, dass alle seine Jünger eins sein mögen. Denn auf diese ewige Perspektive kommt es an, trotz aller Unzulänglichkeiten unter der irdischen Christenheit.

 

„Man kann auch ohne Kirche an Gott glauben“. Stimmt das?

Erst einmal denke ich: ja, das stimmt; denn der Glaube an Gott ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Allerdings ist es auch in Sachen des Glaubens „nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Gottesdienst feiert man mit anderen, die eigenen Irrtümer und die eigenen Stärken erkennt man oft immer nur im Spiegel des anderen, das Gebot der Nächstenliebe weist Menschen immer wieder aneinander. Deshalb: Gemeinsam geht vieles besser – auch im Glauben. Schließlich hat Jesus auch zwölf Apostel in seine Nachfolge berufen und nicht nur einen.

 

Die Kirche ist eine Stiftung Jesu. Was heißt das für uns als Christen?

Wenn man heute eine Stiftung gründet, dann ist diese immer einem Stiftungszweck oder einem Stiftergedanken verpflichtet. Jesus Christus hat die Botschaft von dem gnädigen Gott für alle Menschen gebracht. Die Kirche ist diesem Gedanken ihres Stifters verpflichtet zum Wohl aller Menschen. Bei allen notwendigen Aktivitäten, die die Kirche und die Kirchen hier noch entfalten, bleibt die Christenheit sich und Christus nur treu, wenn sie den „Stiftungszweck“ im Blick behält – die Ewigkeit.