28.08.2013

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans im Glaubenskurs…

Menschen im Glauben zu bestärken und für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen – das ist Kernaufgabe christlicher Gemeinde. Ein zeitgemäßes Mittel können Glaubenskurse für Erwachsene sein, in denen die glaubensweckende Verkündigung mit der Form eines Bildungsseminars oder eines Workshops verbunden ist. Solche Kurse können helfen, positive Erfahrungen mit dem Glauben (und anderen Glaubenden) zu machen und die eigene Geschichte mit Gott (neu) zu entdecken. Sie frischen zentrales Glaubenswissen auf oder vermitteln es neu. Wichtig ist das gemeinsame Gespräch. Authentizität und Dialog spielen eine große Rolle. Und Glaubenskurse helfen, miteinander eine Atmosphäre des Vertrauens zu entwickeln und Beziehungen zu knüpfen, in denen Glauben gelebt werden kann.

Viele Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) haben inzwischen gute Erfahrungen mit dem Angebot von Glaubenskursen gemacht. Vielleicht möchten auch Sie in Ihrer Gemeinde einen Glaubenskurs starten, haben aber noch Fragen? Auf den folgenden Seiten finden Sie zehn Tipps zum Start eines Glaubenskurses – und ein paar praktische Hinweise zur Auswahl eines geeigneten Kursmodells.

 

A. Ein Glaubenskurs für unsere Gemeinde?

1. Erst einmal: Ist ein Glaubenskurs für Ihre Gemeinde im Moment wirklich dran? Oder ist anderes notwendig? Es könnte sich zum Beispiel anbieten, eine Zeit vorzuschieben, in der die Außenkontakte der Gemeinde und der Gemeindeglieder intensiviert werden, die Gemeinde stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt wird.

Ein Glaubenskurs wird Ihre Gemeinde verändern und neue Fragen aufbrechen lassen: Als was für eine Gemeinde verstehen wir uns eigentlich? Was ist unsere Mission? Und was motiviert Menschen dazu, sich für diese Gemeinde zu engagieren?

Und: Ein Glaubenskurs kostet Kraft. Man muss sich dessen bewusst sein, dass dabei Zeit, Geld und Liebe in Menschen investiert wird, die jenseits der „Kerngemeinde“ leben und die nach dem Kurs möglicherweise auch wieder aus dem Blickfeld verschwinden. Auf der anderen Seite: Menschen, die sich für eine solche Arbeit in ihren Gemeinden engagiert haben, berichten häufig, dass sie selbst davon am meisten profitiert haben und sie dadurch im Glauben an den dreieinen Gott gestärkt wurden.

2. Gewinnen Sie Ihre Gemeinde für Ihre Idee. Ein solches Projekt braucht eine breite Unterstützung – auch im Gebet. Und: anderes muss in dieser Zeit vielleicht ruhen. Konzentration der Kräfte hilft vor Überlastung der Mitarbeitenden. In einem Gemeindekreis oder im Vorstand könnte das Projekt vorgestellt werden. Die Durchführung sollte möglichst von höchster Stelle (Gemeindeversammlung) beschlossen werden.

3. Wen möchten Sie mit dem Kurs erreichen? Je genauer Sie die Zielgruppe kennen, desto besser wird das Projekt gelingen. Es gibt Kurse, die eher Jüngere oder Ältere ansprechen, solche, die für Frauen oder Männer besonders geeignet sind, und welche, die mehr Gewicht legen auf Information oder Gemeinschaft usw.

4. Wen möchten Sie für die Leitungsgruppe gewinnen, die diesen Kurz durchführt? Wie sollen Mitarbeitende motiviert und vorbereitet werden? Optimal wäre ein gemischtes Team aus Gemeindegliedern und interessierten Freunden und Bekannten, die von „außen“ dazu kommen. Das erleichtert den Zugang für Nicht-Gemeindeglieder und führt häufig zu einem ungezwungenen Miteinander und anregenden Gesprächen.

5. Wie sollen die Abende ablaufen? Es hat sich bewährt, eine kleine Mahlzeit anzubieten. Abzuwägen ist, ob in den eigenen Gemeindesaal eingeladen werden soll oder eher in einen „neutralen“ Raum (Dorfgemeinschaftshaus, Café, Volkshochschule…).

6. Vor allem: Wie soll es nach dem Kurs weitergehen? Wie kann ein allmählicher Gemeindebezug der Teilnehmenden möglich werden? Welche Angebote gibt es hier für eher beziehungsorientierte, aktionsorientierte oder spirituell orientierte Menschen? Möglich wären ein Hauskreis, eine Gebetsgruppe, Mitarbeit bei Gottesdiensten für Einsteiger, ein Gemeindetreff oder Seminar (z.B. mit: „Expedition zum ICH – In 40 Tagen durch die Bibel“) … Für Menschen, die bisher wenig Berührung mit Gemeinde hatten, bleibt auch nach einem Glaubenskurs häufig eine hohe Schwelle, den Sonntagsgottesdienst zu besuchen oder in einen der regelmäßigen Gemeindekreise hineinzuschauen.

7. In welchem Zeitraum kann das Projekt wiederholt werden? Wie können Glaubenskurse zu einem regelmäßig wiederkehrenden Element der Gemeindearbeit werden, ohne das beteiligte Team zu überfordern? Lassen sich Kurs-Teilnehmende als Teamer für den nächsten Kurs gewinnen?

8. Welche Werbewege wollen Sie nutzen? Presse, Plakate, Radio, Flugblätter sind prima. Entscheidend sind aber die persönlichen Kontakte. Wen würden Sie gerne zu diesem Kurs einladen? Wen möchten Sie zu den Abenden begleiten? Mit welchem Arbeitskollegen, Nachbarn oder Sportsfreund würden Sie gern einmal über seinen und Ihren Glauben ins Gespräch zu kommen?

9. Soll Ihr Kurs lediglich informieren oder sollen auch Praktiken des Glaubens eingeführt und eingeübt werden (Gebet, Lieder, Meditation, liturgische Formen)? Soll Ihr Kurs von lebensgeschichtlichen Erfahrungen ausgehen oder stärker Themen des Glaubens entfalten? Je nach Zielgruppe kann sich eher die eine oder die andere Alternative anbieten.

10. Für den Weg zum Glauben spielt die vertrauensvolle Gemeinschaft mit anderen Christen eine herausragende Rolle. Statistiken zufolge dauert es meist viele Jahre vom ersten Kontakt bis zur bewussten Entscheidung für den Glauben. Glaube lässt sich nicht „beibiegen“. Eine kontinuierliche Begleitung auf diesem gemeinschaftlichen Weg erfordert Geduld, Ehrlichkeit und das Vertrauen, dass Gott die Wege und Zeiten kennt – über all unser Bemühen hinaus.

 

B. Material

Es gibt inzwischen Dutzende von Glaubenskursen ganz unterschiedlicher Art. Sie können einen Kurs selbst zusammenstellen oder Sie greifen auf ein bewährtes Modell zurück. Dabei sollten Sie beachten, dass jeder Glaubenskurs natürlich seine eigene Prägung hat. Es gibt volkskirchlich geprägte Kurse neben eher charismatisch oder evangelikal angehauchten Modellen. Leider gibt es nicht „den“ Kurs für konfessionell-lutherische Gemeinden. Aber es gibt ja auch nicht „die“ lutherische Gemeinde. Da gibt es unterschiedliche Prägungen im Glauben, aber auch ganz schlicht unterschiedliche Ansprüche an kulturelles und intellektuelles Niveau, an Geselligkeit, Lebensstil und so weiter.

Welcher Kurs theologisch und methodisch am besten zu Ihrer Gemeinde passt, ist letztlich eine Entscheidung, die in jeder Gemeinde neu getroffen werden muss. Um Ihnen eine kleine Hilfe an die Hand zu geben, seien hier vier Kurse genannt, mit denen innerhalb der SELK gute Erfahrungen gemacht wurden. Alle Kurse sind so angelegt, dass Sie diese problemlos anpassen, Schwerpunkte setzen und Ungeeignetes weglassen können. Die angegebenen Kontaktpersonen haben die Kurse erprobt und erteilen gerne nähere Auskunft.

  •  „Spur 8 – Entdeckungen im Land des Glaubens“: Bei diesem Kurs ist alles fix und fertig, mit frischem Bildmaterial und ansprechenden Referententexten versehen. „Spur 8“ ist als überarbeitete Fassung von „Christ werden – Christ bleiben“ (Burkhard Krause) ein Klassiker unter den Glaubenskursen. Theologisch ist der Kurs volkskirchlich-lutherisch geprägt mit einer durchaus beachtenswerten Betonung von Rechtfertigungslehre und Taufe. Etwas referatslastig.
  • „Emmaus – Auf dem Weg des Glaubens“: Der Emmaus-Kurs ist besonders kommunikativ angelegt. Häufiger Methodenwechsel und viel Raum für das Gespräch schaffen eine lebendige Atmosphäre. Theologisch kommt der Kurs aus dem anglikanischen Bereich, ein Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit der Heiligen Schrift.
  • „Speyerer Glaubenskurs“: Dieser Kurs ist methodisch abwechslungsreich und sprachlich ansprechend, mit gutem zeitgenössischen Material an Bildern und Texten. Schön sind auch die liturgischen und meditativen Bausteine im Kurs. Theologisch ist dieser Kurs in der mystischen Tradition des Katholizismus beheimatet – mit deutlich reformatorischer Tendenz.
  • „Kaum zu glauben?!“: Ein kurzer Kurs für vier Abende oder ein Einkehrwochenende, der gut geeignet ist, in die Welt der Glaubenskurse hinein zu schnuppern. Der knappe Kurs aus der lutherischen Landeskirche Hannover ist theologisch solide und ansprechend aufgemacht. Er ist v.a. als Zurüstung für Mitarbeitende in der Gemeinde konzipiert und greift typische Elemente anderer Glaubenskurse auf.

Daneben gibt es weitere ansprechende Kursmodelle – viele davon sind in der SELK erprobt. Wer Interesse an Erfahrungen aus der SELK mit unterschiedlichen Kursmodellen hat, bekommt Kontakte vermittelt über das Kirchenbüro in Hannover. Hilfen zur Auswahl finden Sie auch im Internet, z.B. unter:

www.kurse-zum-glauben.org

www.a-m-d.de/glaubenskurse

www.glaubenskursfinder.de