28.08.2013

Lauter motivierte Leute

Eine Gemeinde von 100 Gliedern dürfte mindestens 90 begabte Leute haben, und der Rest kann noch nicht oder nicht mehr.

Eins steht wohl unbestritten fest: Was ich gut kann, das mache gern; und was ich gern mache, mache ich in der Regel auch gut! Wie kann ich nun herausfinden, was einer gut kann, was ihm liegt, wo seine Gaben stecken, was er dann auch gern machen würde?

In der Regel weiß das jeder von sich selbst. Ich weiß, was ich kann oder was mir liegt, wo ich Lust zu habe oder eben auch keine. Oft zeigt es sich auch in der Weise, dass andere es sehen und sich dann äußern: Mensch, der oder die kann gut mit Kindern umgehen, hat Zugang zu Jugendlichen, kann gut zuhören, organisieren usw. Gaben zeigen sich, und in Selbst- und in Fremdwahrnehmung kann jeder feststellen, was ihm liegt oder auch was ihm gerade nicht liegt. Und wer mit beiden Beobachtungslinien nicht weiterkommt, der kann auch noch einen „Gabentest“ machen.

„Sein Ding zu finden“ ist das eine, das andere ist eine Gemeinde und eine Gemeindeleitung zu haben, die die vorhandenen Gaben auch einsetzen möchte. Wir alle wollen unsere Gaben einbringen, das ist gewollt und gewünscht. Und es gibt so viele Aufgaben in der gottesdienstlichen Arbeit, in der Gemeindearbeit, in Diakonie, in Mission, in Verwaltung, im Handwerk: singen, lesen, beten, erzählen, formulieren, musizieren, gestalten, organisieren, Technik bereitstellen, auf- und abbauen, aufräumen, saubermachen, kochen, besuchen, zuhören und reden, animieren und schulen, Kleider aufbereiten, verkaufen, verpacken, verschicken  –  wir merken, es gibt unendlich viele Aufgaben und natürlich auch die entsprechenden Gaben.

Eine Gemeinde von 100 Gliedern dürfte mindestens 90 begabte Leute haben, und der Rest kann noch nicht oder nicht mehr. Zwei Fragen stellen sich allerdings:

  1. Wollen sie sich alle einbringen? Ist unseren Gliedern das Evangelium von Jesus Christus so wichtig, die Erlösung so groß geworden, dass sie vor Dankbarkeit platzen und sagen: Mein Dankopfer heißt ganz klar: Mein Können, meine Zeit, mein Geld opfere ich Jesus und seiner Gemeinde und Kirche?!
  2. Wollen die Gemeinde und die Gemeindeleitung, dass ihre Glieder sich so intensiv einbringen, mit eigenen Aufgaben- und Verantwortungsbereichen? Kann ein Pastor und ein Kirchenvorstand delegieren, Verantwortungs-, bzw. Arbeitsbereiche schaffen und beschreiben und die Mitarbeiter auch schulen und begleiten, dass das „gern Tun“ erhalten bleibt?

Die erste Frage beantwortet sich von selbst durch die Verkündigung des Evangeliums. Der Heilige Geist schafft Glauben und Hingabe. Der zweiten Frage sollten sich die Pastoren und Kirchenvorstände stellen und dann alles tun, damit die Gaben auch eingebracht werden, weiter ausgebildet werden und sich damit auch entfalten können. Schulung und Begleitung sind genauso wichtig wie das Entdecken und Einbringen. Und im kirchlichen Raum gibt es ausgezeichnete Fortbildungsmöglichkeiten.

Einige schrecken davor zurück und haben Angst, ganz vereinnahmt zu werden. Eine klare Beschreibung der Aufgabe und auch eine Befristung können diese Angst nehmen. Wenn ich eine Aufgabe für zwei oder auch sechs Jahre zusage, muss ich keine Angst haben, sie 20 Jahre am Hacken zu haben.

Es bleibt dabei: Lauter motivierte Mitarbeiter!

Eckhard Kläs

Dieser beitrag erschien in der „Lutherischen Kirche“