4.07.2013

Was bedeutet mir meine Gemeinde?

Christen aus der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche geben Antwort auf die Frage, ob und warum ihnen die Gemeinde wichtig ist.

Rückhalt in der Gemeinde

Geistliches Zuhause für mich und meine Gaben

Wir haben den Glauben an Gott gemeinsam

Durch den Gottesdienst zur Gemeinde gefunden

Die Gemeinde gibt mir Sicherheit

Ich muss mir Kirche nicht erst ausdenken.

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Rückhalt in der Gemeinde

Meine Gemeinde bedeutet mir Rückhalt jeder Art.  In der Jugendarbeit bin ich viel unterwegs und sonntags leider nicht so oft in der eigenen Gemeinde. Wenn ich allerdings wieder einmal in der Gemeinde bin, dann werde ich einfach und schnell wieder aufgenommen, als wäre ich immer da. Man interessiert sich für das was ich tue und schätzt es wert. Ich weiß, dass ich in meiner Gemeinde Rückhalt und Hilfe habe, wenn es im Glauben mal nicht läuft, oder mir etwas zu viel wird, dann ist meine Gemeinde für mich da.  Meine bedeutet mir geistige Geborgenheit, wenn ich mal zweifle, dann werde ich nicht komisch angeguckt, sondern mir wird sofort Hilfe angeboten.  Meine Gemeinde bedeutet mir Spaß am Glauben. Der Gottesdienst wird gefeiert, wie ein Fest und man hockt nicht jeder für sich in der Bank.  Hier wird Freude und Leid geteilt – jeder ist willkommen.

Silvia Hauschild, Hamburg

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Geistliches Zuhause für mich und meine Gaben

Gemeinde bedeutet für mich in erster Linie, wie das Wort schon sagt, Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist nicht irgendeine, sondern eine unter Christen. Meine Gemeinde bietet mir nicht nur ein geistliches Zuhause, sondern ich kann mir auch sicher sein, dass Gott immer dabei ist. Er hat uns versprochen, dass, wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er immer bei uns ist.

Für mich ganz persönlich war die Gemeinde jedoch lange Zeit nicht die wichtigste Instanz meines christlichen Lebens. Das persönliche Gespräch mit Gott war noch wichtiger. Gerade für mich als Jugendlichen erfüllte die Gemeinde oft eine andere Aufgabe. Sie bot und bietet immer noch die Möglichkeit, gleichaltrige Christen kennenzulernen und mit diesen Kontakt zu halten.

Ich war immer sehr froh, Jugendliche aus meiner Gemeinde zu treffen. Für einen einzelnen Jugendlichen ist es sehr schwer in einer Gemeinde, wenn er alleine dasteht. Es gibt zwar gute und sinnvolle Angebote in der übergemeindlichen Jugendarbeit, doch der eigene Jugendkreis hat immer einen besonderen Stellenwert. Für mich war es ein Anreiz in die Kirche zu gehen, wenn ich Gleichaltrige getroffen habe. Auf diese Weise wurde ich in die Gemeinde integriert. So habe ich mit der Zeit in meiner Gemeinde auch mein geistliches Zuhause gefunden und kann durch meine Gemeinde in der heutigen Welt aktiv mein Dasein als Christ gestalten. Meine Gemeinde und der Gottesdienst entwickelten sich zu einem starken Rückhalt für den Alltag. Dort kann ich so sein wie ich bin und werde so auch angenommen.

Die Gemeinde ist für mich auch die richtige Ebene, um meine Gaben einzusetzen. Wenn ich zum Beispiel im Gottesdienst musiziere, kann ich Gott mit meinen Gaben loben, erfreue hoffentlich alle Gottesdienstbesucher und habe natürlich extrem viel Spaß. Es ist besonders wichtig, dass in einer Gemeinde von den Gliedern nicht etwas Bestimmtes erwartet wird, sondern jeder das einbringen kann, was ihm selber Freude bereitet und was er oder sie leisten kann. Daraus entsteht im Idealfall eine vertraute Gemeinschaft.

Trotzdem ist es besonders wichtig für eine Gemeinde, auch offen für andere Menschen zu sein. Es sollte keine Gruppe von Insidern sein. Mir ist es immer wichtig auf neue Menschen im Gottesdienst zuzugehen und ihnen zu zeigen, dass sie willkommen sind. So bot sich für mich die Gelegenheit einige junge Menschen aus Afrika näher kennenzulernen, die unseren Gottesdienst besucht haben. Einer dieser jungen Menschen ist sogar unserer Gemeinde beigetreten und ich habe einen guten Kontakt zu ihm.

Genau diese Elemente sind es, die mein Gemeindeleben spannend machen. Doch auch wenn sich solche Gelegenheiten nicht bieten, gibt es genug Menschen in meiner Gemeinde, mit denen ich ins Gespräch kommen und gute Kontakte pflegen kann.

Gott will seine Kirche segnen und diesen Segen gibt er jeder Gemeinde, auch wenn er nicht immer sofort sichtbar ist. Ich habe in meinem Leben immer erfahren, dass das Vertrauen zu Gott die Grundlage für ein gutes Gemeindeleben, überhaupt für mein Leben ist. Denn meine Gemeinde ist ein entscheidender Teil meines Lebens.

Amos Krieser, Fürstenwalde

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Wir haben den Glauben an Gott gemeinsam

Als allererstes fällt mir dazu ein, dass ich dort eine Menge guter Freunde habe, die jederzeit für mich da sind. Mit ihnen habe ich schon viele gute, witzige, schöne Momente gehabt und auch viele schwere Zeiten überstanden. Ich glaube, sowas kann man Freunde fürs Leben nennen. Natürlich gehören auch mir unbekannte Menschen zu meiner Gemeinde dazu. Und auch wenn ich nicht allzu viel mit diesen Leuten zu tun habe, so weiß ich doch, dass wir mindestens eine Sache in unserem Leben gemeinsam haben. Unseren Glauben an Gott. Genau dieses Wissen macht etwas mit mir, was ich nur schwer beschreiben kann. Manche dieser Leute kenne ich nicht einmal beim Namen und doch ist mir bewusst, dass diese Menschen, würde ich sie darum bitten, für mich beten würden. Aus welchem Grund auch immer. Das gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit in meiner Heimatgemeinde. Außerdem sind viele meiner Verwandten dort, was für mich bedeutet, dass jeder Gottesdienst, jedes Gemeindefest oft zu einer großen Familienfeier wird. Insgesamt lässt sich sagen, dass ich einfach gerne in meiner Gemeinde bin, weil diese mich überall unterstützt, weil ich mit ihr, bei ihr viel Spaß habe, einfach, weil ich sein darf, wie ich bin. Ich bin willkommen.

Madita Kämpfert, Verden

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Durch den Gottesdienst zur Gemeinde gefunden

Aufgewachsen in der Zeit des so genannten Dritten Reichs, in einer glücklichen Familie, auch getauft, aber sonst ohne jegliche Beziehung zu Kirche und Religion, kam ich erst nach dem großen Umbruch 1945 durch den Konfirmandenunterricht mit Kirche in Berührung. 1946 konfirmiert, gingen wir zunächst auch noch zur Kirche, weil wir dort junge Leute und Freunde trafen; aber ich kann mich nicht an irgendwelche Jugendangebote erinnern, ich glaube, damals war das gar nicht üblich.

1948 zogen meine Eltern von Erfurt nach Braunschweig.  Meine Mutter war inzwischen zu einer „Suchenden“ geworden und fand die Brüdergemeinde St. Ulrici – es war der Torso einer Gemeinde, die restlos durch den Bombenkrieg vernichtet war, aber einen begnadeten Pfarrer hatte, der die Schäflein zusammensuchte. Der Glaube und die schönen Gottesdienste wurden mir immer wichtiger; die Gemeinde war für mich eine Nebensache, Freunde hatte ich woanders und ohne kirchliche Bindung.

1955 kam ich durch meine Heirat nach Düsseldorf und trat in die ev.-luth. (altluth.) Kirche ein. Die ersten Jahre meiner Ehe waren von Familienaufbau und Kindererziehung bestimmt. Der Gottesdienst war mir immer wichtig, das Gemeindeleben aber lief an mir vorbei, zumal mein Mann zwar wohlwollend, aber der Kirche fernstehend war. Der Kindergottesdienst reizte meine vier Kinder gar nicht, denn der Vater hatte für den Sonntagvormittag  bessere und attraktivere Angebote. Ich danke Gott, dass er mich mit einer gewissen Sturheit ausgestattet hat, die mich so oft wie möglich zu Gottesdienst und Sakrament trieb, wie es mir in Braunschweig wichtig geworden war.

Wenn ich heute zurückblicke, bin ich sehr, sehr langsam in die Gemeinde hineingewachsen.

In den letzten Jahren hat mein Mann mich häufiger begleitet und wurde immer mehr zu einem Suchenden und Fragenden, und es war erstaunlich und beglückend, wie freundlich, ja liebevoll die Gemeinde mit uns umging, sodass sie uns neben dem Gottesdienst immer wichtiger wurde. Als mein Mann im letzten Jahr sehr krank wurde und bald darauf starb, habe ich es als unendlich wohltuend empfunden, hier geborgen und getragen zu sein von der Fürbitte im Gottesdienst bis zur persönlichen Anteilnahme.

Wie wichtig und stärkend für das Glaubensleben, ja das ganze Leben, eine Gemeinde ist, dass sie einen trägt, fühlt man oft erst in schweren Zeiten. Wenn ich es recht überlege, habe ich durch den Gottesdienst den Weg zur Gemeinde gefunden. Ich bin überzeugt, dass Glaube auf Dauer ohne Gemeinde verkümmert. Es ist wie mit der Luft: Man merkt sie nicht permanent, aber ohne sie kann man nicht leben.

Johanna Goffin, Düsseldorf (Aus: „Lutherische Kirche“ 2/12)

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Die Gemeinde gibt mir Sicherheit

Wozu brauche ich Gemeinde? Was bringt sie mir? Und welchen Gewinn habe ich von ihr? Zugegeben, die Fragen klingen eher nach Wirtschaftsmathematik, und so ganz präzise nach „Gewinn“ und „Verlust“ kann ich darauf nicht antworten. Gemeinde ist für mich zuallererst der Ort des Gottesdienstes. Als Lehrerin und Alleinerziehende zweier Söhne ist und war sie von Anfang an ein Ort, an dem ich Glauben aussprechen und empfinden konnte, und mich nicht – wie in einer ansonsten mehrheitlich un-glaubenden Umwelt – rechtfertigen muss. Aber ich litt auch an und mit ihr durch die Jahre meines öffentlichen Christseins. Die Taufe im Jahre 1995 und der Eintritt in eine selbst gewählte Lutherische Kirche, in eine SELK-Gemeinde, brachten mich fast vom ersten Tage an in einen Streit hinein – nicht nur den immerwährenden Streit zwischen Glauben und Unglauben, sondern auch zwischen Christen, die meinten, das Evangelium und überhaupt alle Wahrheit und Weisheit für sich gepachtet zu haben und welchen, die in gut gemeinter Absicht vergaßen, über der Liebe zum Nächsten sich selbst zu lieben oder über ihre eigenen Kräfte hinaus lebten.

Ich darf Gottes Wort hören – mal mehr, mal weniger streitbar in der Auslegung. Aber ich darf es hören und so viele Menschen durften und dürfen es nicht auf dieser Welt. Gemeinde ist für mich also zuallererst die Predigt, gehört, gelesen! Hinterher erzählt. Das ist es! Sich auch darüber aufregen oder ärgern können – doch immer eines: um Gottes Wort gerungen und gleichzeitig weiter überlegt, wie man den noch warmen Gedanken zu Epistel, Evangelium und Exegese hinüberbringen kann in „die Welt“ hinaus. Wo Menschen arbeiten an, mit und unter Gottes Wort, da geschieht Gemeinde. Ich stehe zu ihr und meiner Kirche, egal ob die Frauenordination nun kommt oder nicht, ich stehe zu ihren Dienern, die mir nicht nur einmal geholfen haben in schwierigsten Situationen. Die Sicherheit brauche ich, nicht nur sonntags, sondern auch in der restlichen Zeit. Ich wechsle Kirche und Gemeinde nicht aus, weil mir irgendetwas nicht passt; ich bekomme von ihr ja auch jene Sicherheit an Gemeinschaft, die ich mir – als Glaubende ohne Gemeinde bis zur Taufe hin – schon lange ersehnt hatte. Wünschen würde ich mir, dass es so bliebe.

Andrea Quittenbaum, Magdeburg (Aus: „Lutherische Kirche 2/12)

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Heimat, Familie und Ort der Rückbesinnung auf mein Tun und Lassen

„Da ist auch eine Oper, ein Zoo, ein Hallenbad – und was nicht sonst noch alles!  Eine tolle Stadt – der neue Wohnort !“

Wenn vor ein paar Jahrzehnten jemand umzog, d.h. seinen Wohnort  wechselte, dann wurden meist diese Einrichtungen als höchst angenehme Begleiterscheinungen und wünschenswert (manchmal sogar auch als un-verzichtbar) hervorgehoben. Bei vielen gingen diese schönen Dinge auch in Erfüllung. Inwieweit sie dann auch genutzt wurden, das wäre eine gute Aufgabe für die Marktforschung.

Ich habe mit meiner Frau – meist aus beruflichen Gründen – recht oft vor einem solchen Umzugsproblem gestanden, genau sechs mal. Und genau so oft hatte ich den Vorzug, an allen sechs Orten immer eine andere SELK-Gemeinde (oder eine ihrer Vorgängerkirchen) kennenzulernen, mit ihr zu leben und mich im Rahmen meiner begrenzten Fähigkeiten auch als aktives Gemeindeglied einzubringen.

Viele Jahre haben mir einen feinen Überblick über meine Kirche, die SELK, gegeben und heute erlaubt mir mein Computer das – fast täglich – noch viel ausführlicher.

Oper, Zoo und Hallenbad sind in meinem Wohnort selbstverständlich auch vorhanden, nur wir nutzten sie kaum. Doch dass noch ausnahmslos an allen Wohnorten auch die SELK vor Ort war, ja das war für mich nie Zufall, das bleibt für mich Hinweis und Einladung. Wenn das Alter es zulässt, dann für jeden Sonntag und auch anderswie. So wurde „die Kirche“ an allen meinen Wohnorten Heimat, Familie und Ort der Rückbesinnung auf mein Tun und Lassen. Sie lehrt mich hoffen, beten und danken, und lädt fast an allen Sonntagen an den Tisch des Herrn. Sicher ist sie wohl „leider etwas dünn gesät“, aber das war für mich, Gott sei`s gedankt, bei allen Ortswechseln nie spürbar.

Helmut Höller, Frankfurt

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Was bedeutet mir meine Gemeinde?

Vergleicht man die Mitgliedschaft z.B. in einer Sport-Gruppe mit der christlichen Gemeinde, so ist zunächst kein großer Unterschied festzustellen: Hier wie dort geht es um gemeinsames Tun, Erleben, um ein Training, das Körper und Geist gut tut. Als Teil einer Gemeinschaft Gleichgesinnter, kommt man gern regelmäßig zusammen, in einer Gruppe von Menschen, in der man sich wohlfühlt. Im Sportclub ist man nach zumeist anstrengenden Übungen – wohl ausgepowert – gut, positiv gestimmt, leistungsfähig und möchte sich nach der Betätigung oft ein wenig austauschen, daher bleibt  man gern nach den gemeinsamen Anstrengungen noch beieinander.

Was ist nun in der Kirchengemeinde anders? Dort, wie hier, sind es Gleichgesinnte, die sich zusammen gefunden haben. Doch, ganz anders als in der Sportgruppe, bin ich in der christlichen Gemeinde nicht nur Mitglied, sondern Gott hat mich in diese Gemeinde  gestellt. Sie ist  nicht nur wie eine Familie mit den unterschiedlichsten  Menschen, ihren oft nicht nachvollziehbaren Vorstellungen, Ansichten und Überzeugungen, sondern vielmehr die „Gemeinschaft der Heiligen“ und in dieser habe ich hier nicht Trainingspartner!, sondern Schwestern und Brüder.

Bei aller Unterschiedlichkeit, nicht nur in geistlichen Voraussetzungen, Anschauungen, kommt man zusammen, um Gottesdienste zu feiern, sich in Gemeindekreisen und bei anderen Veranstaltungen zu treffen, sich einzubringen bei gemeindlichen Aktionen. Viele gibt es, die immer wieder in aller Treue Verantwortung für ihre Gemeinde übernehmen, manche, um sich motiviert auch in Aufgaben und Ämter einzubringen. Dabei ist es wohltuend zu erleben: Diese Christen wollen füreinander, auch für andere, da sein, sich tragen (zuweilen auch ertragen), sich öffnen für mancherlei Probleme und Belastungen ihrer Geschwister, und sie bemühen sich, anzupacken, wenn Hilfe erforderlich ist. Und etwas ungemein Berührendes: Ich finde in dieser „Familie“ Menschen, die mit mir, für mich und andere, besondere Anliegen im Gebet vor Gott bringen.

Bei allem Positiven aber gibt es auch Verletzungen, Schuld und Versagen an und durch die Geschwister, dabei lässt sich manches im guten Gespräch ausräumen; manches sitzt tief und braucht die lange Zeit der Genesung. Doch wie befreiend ist die Sünden-Vergebung, auch ein Angebot in meiner Gemeinde: Gott nimmt mich immer wieder liebevoll an und ich darf täglich neu beginnen.

Die christliche Gemeinde hat für mich eine besondere Bedeutung, werden in ihr doch Gottes Wort und seine Sakramente ausgeteilt. Ein Segen, der sich auswirkt auf Körper, Geist und Seele auf dem Weg zum Ziel in Gottes ewige Herrlichkeit.

Regina Fehling, Kantorin i.R., Knüllwald

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Christsein ohne Gemeinde?

Ich kann mir Christsein ohne Gemeinde nicht vorstellen, schließlich bin ich seit meiner Taufe ein Glied des Leibes Christi (vergleiche 1. Korinther 12), sind die anderen Glieder meine geistlichen Geschwister. Wie mit den leiblichen Verwandten kann man sich durchaus manchmal über manchen ärgern, das ändert jedoch nichts daran, dass uns Gott zusammengefügt hat und das so bleibt. Wie ein Glied an einem menschlichen Körper für sich einseitig und auf die anderen angewiesen ist, so gilt das auch für den Leib Christi. Gegenseitiges Anteilnehmen in Leid und Freude und gegenseitige Fürsorge sind dabei sehr wohltuend.

Im Gottesdienst rüstet mich Gott durch sein Wort und die Verkündigung zu, stärkt und heiligt mich in Wort und Abendmahl und segnet mich für die Herausforderungen der Woche. Dafür preise ich den Dreieinigen Gott zusammen mit der ganzen Gemeinde in Lob- und Dankliedern. Um das Christsein ganzheitlich – also auch im Alltag – leben zu können, bin ich darauf angewiesen, dass mich Christus so immer wieder stärkt und erneuert und ich mit ihm verbunden bleibe. Mir ist es auch wichtig, mich mit Glaubensgeschwistern (z.B. im Gesprächskreis) über die Bibel auch im Bezug auf die Themen des Alltags auszutauschen, um sich gegenseitig zu ermutigen, voneinander zu lernen und füreinander zu beten. Ich denke aber, dass Gemeinde nicht nur „introvertiert“ (nach innen gerichtet, sich gegenseitig stärkend), sondern auch „extrovertiert“ (sich der Welt zuwendend, nach außen gehend) sein soll, indem sie z.B. diakonisch-missionarisch aktiv wird. Denn es ist unser Auftrag, Licht und Salz für die Welt zu sein und unsere Hoffnung und was wir mit Gott erleben, in der Welt zu bezeugen.

Wolfgang Hörner, Frankfurt

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Ich muss mir Kirche nicht erst ausdenken.

Was bedeutet mir meine Gemeinde? Oder anders gesagt, was ist eigentlich Kirche für mich? Schauen wir uns das Neue Testament an, so können wir als erste Antwort festhalten: Die Kirche ist der Leib Christi. Christus selber ist das Haupt der Kirche; wir sind die Glieder an seinem Leib (vgl. 1. Korinther 12,27; Kolosser 1,18). Somit gehört auch meine Gemeinde zum Leib Christi. Dass die Kirche der Leib Christi ist, ist nicht bloß ein Vergleich, ein Bild, sondern sie ist ganz real der Leib Christi, so real, wie das gesegnete Brot bei der Feier des Heiligen Abendmahles wirklich der Leib Christi ist. Dadurch wird deutlich: Die Kirche ist eine Realität, die mir und meinem Glauben vorausgeht. Ich muss sie mir nicht ausdenken. Ich muss sie nicht erst bauen. Kirche und Gemeinde sind von Christus gestiftet. Und Er, Christus allein, ist es, der mich in seinen Leib eingliedert. Dieser Leib Christi besteht schon immer, noch bevor Einzelne in ihn aufgenommen werden. Und er wird auch bis zum Jüngsten Tage weiterbestehen, trotz all meines Unglaubens. Denn Jesus hat versprochen, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen können (vgl. Matthäus 16,18). Was Christus für mich getan hat und was er mir schenkt, das reicht, um selig zu werden, um am Ende meines Lebens in Gottes Gericht bestehen zu können. Christi Tun muss nicht durch mein Tun, durch meine Entscheidung oder durch meine Werke ergänzt werden. Durch seinen Tod am Kreuz hat Christus tatsächlich die Schuld der ganzen Welt (und damit auch meine!) auf sich genommen und weggetragen. Kann es einen  größeren Trost geben?

Die Kirche als Leib Christi ist nicht unsichtbar, sondern wird immer wieder erkennbar, wo Christen zusammenkommen, um Gottes Wort zu hören und das Heilige Abendmahl zu feiern: Sie empfangen den Leib Christi und werden damit immer wieder neu Leib Christi. Das heißt: In jeder Gemeinde, in der das Mahl des Herrn nach seiner Einsetzung gefeiert wird, ist die Kirche als Leib Christi ganz da und fassbar. Das Neue Testament verwendet von daher dasselbe griechische Wort ekklesia sowohl für die einzelne Ortsgemeinde wie auch für die völkerübergreifende, weltweite Kirche. (vgl. 1. Korinther 1,2; Epheser 5,23; Kolosser 1,18).

Immer wieder geht es also um diese Gemeinschaft mit Christus, die uns durch das Wort und die Sakramente geschenkt wird. Das mit anderen Christen zu teilen, ist der große Schatz der Gemeinde. Trotz meiner Fehler, meiner Schwächen und meines Versagens finde ich hier immer wieder Trost und Freude. Denn jeden Sonntag neu bin ich eingeladen, Gottes Vergebung zu empfangen und die Beziehung zu dem zu stärken, den ich mehr als alles andere brauche: Jesus Christus.

Benjamin Friedrich, Oberursel

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