12.12.2012

Auf dem Weg zum Altar – vom Pfarrer aus gesehen

Das Pfarrerherz schlägt auch nach vielen Dienstjahren immer noch höher, wenn die Gemeinde sich aufmacht, zum Empfang des hl. Abendmahls an den Altar zu kommen.

Das ist ein wirklich heiliger Augenblick, der dennoch ganz  irdische Seiten hat.

1. Es ist gut, dass wir in aller Ruhe kommen.

Man  hat Zeit, durch eine Verbeugung den im Sakrament gegenwärtigen Herrn zu grüßen.

Man kann auf  die Mitchristen zur Rechten und zur Linken achten evtl. jemanden stützen oder  ihm aufhelfen. Wenn ich keinen Platz auf der Kommunionbank finde,  bleibe  ich ganz nahe am Altar.  Mit meinen eigenen Worten oder mit dem Lied, dass die Gemeinde singt oder in ehrfurchtsvoller Stille bete ich den Herrn Christus an.

2. Es ist gut, an der Kommunionbank nicht zu drängeln.

Kommunikanten, die nicht zurückbleiben sondern in „zweiter Reihe“ stehen, zwingen den Pfarrer manchmal zu akrobatischen Übungen.

Besonders, wenn der Kelch gefüllt ist, kann die Kommunion schwierig werden, wenn der Pfarrer einen Weg durch die erste Reihe finden muss.

Aus dem gleichen Grund sollten Kommunikanten, die nicht knien können, ganz  dicht vor die erste Stufe treten.

3. Es ist gut, bei der Kommunion zum Altar zu blicken und den Kopf hoch zu halten.

Der Pfarrer muss den Mund finden. Er möchte die hl. Hostie  auf die Zunge legen  und  den Kelch an den Mund führen. Das ist nicht so einfach, wenn z.B.ein starker Bart die Mundpartie bedeckt, wenn der Mund zusammengekniffen  oder das Kinn  ganz auf die Brust  gedrückt ist.

Möchte ein Kommunikant die Handkommunion üben, weil er z.B. verschnupft  ist, dann ist ein deutliches  Entgegenhalten der Hände hilfreich, damit  Irritationen vermieden werden.

Wer den Kelch nicht empfangen darf,  möchte das durch  die auf der Brust verschränkten Arme deutlich machen.

Ist die sog. Frühkommunion in der Gemeinde üblich, wäre jeder Vertretungspfarrer für einen entsprechenden Hinweis dankbar.

4. Es ist gut, den Kelch vorsichtig anzufassen.

Mancher meint, die hl. Geräte dürften nicht berührt werden. Ehrfurchtsvoller Umgang mit ihnen  ist sachgemäß, aber  das Anfassen des Kelches ist hilfreich und keineswegs  verboten.

Besonders, wenn der Kelch fast geleert ist, kann der Pfarrer nicht sehen, ob der Kommunikant das Blut Christi wirklich empfangen hat. Da ist es nur sinnvoll, wenn der Kommunikant den Kelchfuß  anfasst und „steuert.“ Das Anfassen darf aber keinesfalls zu einen „an sich ziehen“ werden. Ist der Kelch gefüllt, dann muss er waagerecht  an den Mund geführt werden und darf nicht durch unvorsichtiges Heranziehen gekippt werden.

Die vier aufgezählten Punkte sind sicher nicht das Wichtigste bei der Feier des Heiligen Abendmahls. Aber sie helfen allen Beteiligten, dieses heilige Geschehen in Würde und  ohne Ängste mit zu feiern. Deshalb ist es gut, einmal ganz menschlich auf den Austeilenden und den Empfangenden zu blicken.

Wolfgang Schillhahn