10.12.2012

Lieder zur Austeilung – Musik während der Kommunion

Während der Austeilung des heiligen Abendmahles kann die Gemeinde mit ihrem Gesang bekennen, was am Altar geschieht, und die Kommunizierenden mit Gebet und Gesang begleiten. Michael Pietrusky möchte Sie in seiner Betrachtung verleiten, das Gesangbuch aufzuschlagen und die Schätze unseres Glaubens und unserer Frömmigkeit zu entdecken.

Weit offen steht des Himmels Perlentor, es steigt vom goldnen Thron, umringt von seiner Auserwählten Chor, der heilge Gottessohn … es spürt die Erde wieder den Herrn des Lebens nahn. – Sein Wort wird laut. Er segnet Brot und Wein … – Unsichtbar stehn um ihn die Cherubim … auf ewig ist verschwunden, was Erd und Himmel trennt, denn Gott hat sie verbunden im heilgen Sakrament. Mit Wilhelm Löhes Lied besingen wir, was im heiligen Abendmahl geschieht. Der Himmel kommt auf die Erde herab. Im gesegneten Brot und Wein gibt uns unser Herr Jesus Christus teil an seinem wahren Leib und Blut. Martin Luther hat die Frage nach dem rechten Abendmahlsbekenntnis einmal ganz knapp gefasst, „ob da sei rechter Leib und Blut Christi, mündlich empfangen“? Christus lädt uns sündige Menschen an seinen Tisch und spricht uns seine Gnade zu: „Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.“ Für das Wunder der leiblichen Gegenwart Jesu Christi uns zum Heil loben und preisen wir Gott.

Wie können wir dies tun? Es kann in der Stille geschehen. Während die einen nach vorn gehen und das Abendmahl empfangen, können andere in der Stille beten: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue … Du bereitest vor mir einen Tisch … (Psalm 23; weitere Gebete im Gesangbuch ELKG, Seite 1178 f.)

Wenn die Gemeinde größer ist und die Abendmahlsgäste in mehreren Gruppen zum Altar treten, kann während der Austeilung gesungen werden. Die Abendmahlslieder unseres Gesangbuchs haben hier ihren besonderen Ort. Sie verkündigen, was am Altar geschieht. Sie preisen Gott. Sie helfen uns, das Wunder seiner leiblichen Hingabe zu betrachten. Seit 300 Jahren singen und beten wir in unserer Kirche: Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden, wir kommen, deinen Leib und Blut, wie du uns hast geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken.

Noch älter ist Martin Luthers Abendmahlslied: Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt, durch das bitter Leiden sein half er uns aus der Höllen Pein. – Dass wir nimmer des vergessen, gab er uns sein’ Leib zu essen, verborgen im Brot so klein, und zu trinken sein Blut im Wein.

Gern gesungen wird die Nachdichtung des 23. Psalms: Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte, komm, mit Gnaden mich bewirte … Du rufest alle, Herr, zu dir in Gnaden, die mühselig und beladen … Zum Abendmahl dürfen wir auch singen: Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden, Gottes und Marien Sohn, dich will ich lieben, dich will ich ehren, du meiner Seele Freud und Kron. – Du bist wahrhaftig bei uns gegenwärtig in dem heilgen Sakrament; Jesu, dich bitt ich, sei du uns gnädig jetzt und an unserm letzten End. Sie merken, ich möchte Sie verleiten, das Gesangbuch aufzuschlagen und die Schätze unseres Glaubens und unserer Frömmigkeit zu entdecken. In Liedern und Gebeten werden in vielfältigen Bildern die Gabe und Frucht des heiligen Abendmahls entfaltet. (Gesangbuch ELKG, Liednummer 154 ff. und 468 ff.; 506; weitere Lob- und Danklieder) Warum aber kann nicht auch der Chor singen? Durch die Jahrhunderte wurde kunstvolle Chormusik komponiert, bestimmt für die Musik zur Austeilung. Ebenfalls haben Instrumente hier ihren Platz, allen voran die Orgel. Mit Motetten und geistlichen Konzerten wird Gott gelobt. Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen, sagt der Apostel Paulus (Epheserbrief 5, 19). Singen und Spielen dürfen während der Austeilung zu hören sein. Mit ihrem Gesang stimmt die Gemeinde in das Gotteslob ein. Dabei brauchen die Spendeworte, die der Pastor spricht, nicht unbedingt von der ganzen Gemeinde gehört zu werden. Unsere Agende macht einen Vorschlag, wie die Austeilungsworte zu je etwa vier Abendmahlsgästen gesprochen werden können.

So haben während der Austeilung neben der Stille die Musik und der Gemeindegesang ihr Recht. Mit Musik und Liedern kann die Gemeinde Zeugnis geben für das Wunder der leiblichen Gegenwart unseres Herrn.

Michael Pietrusky

Dieser Artikel erschien in der „Lutherischen Kirche“ 10/2012 und ist mit Bildern hier als PDF zum Download bereit: LuKi 10 – Musik zur Kommunion