6.07.2012

Die Einsetzungsworte

Sie sind das Herzstück der Abendmahlsfeier, die Einsetzungsworte, die durch die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas, sowie durch den Apostel Paulus überliefert werden.

„Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach: ‚Nehmet hin und esset; das ist + mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.‘ Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: ‚Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in + meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis.‘“ So sind die Stiftungs- oder Einsetzungsworte in der evangelisch-lutherischen Kirchenagende abgedruckt.

Vier Worte möchte ich hier herausgreifen, weil sie von besonderer Bedeutung sind. Die ersten beiden Worte lauten: „das ist“. Wenn Christus dies so sagt, dann glauben wir in aller Schlichtheit, dass aus der Kraft seiner Worte heraus geschieht, was er sagt. Gottes Wort ist keine „Deutelwort“ sondern ein „Tätelwort“, sagt Luther. Diese Tatsachen sind deshalb von so großer Bedeutung, damit nicht der Funke eines Zweifels bleibt, dass nicht unser Glaube das Abendmahl macht, sondern allein Christi Wort. Der Glaube empfängt Christi Leib und Blut in Brot und Wein aber er macht es nicht. Das heißt mit anderen Worten: Wenn dein Glaube schwach ist und du unter Zweifeln leidest, dann komm zum Abendmahl, denn es ist allen das Wort Christi, das dir gibt, was es sagt: seinen Leib und Blut zur Vergebung der Sünden. Deshalb bekennen wir dieses leibhafte Zugegensein Christi in Brot und Wein auch nicht nur für den Moment des Essens und Trinkens, damit nur ja kein Zweifel aufkommt, das du damit das ganze Heil empfängst, auch wenn dein Glaube nur wie ein glimmender Docht ist und du vielleicht gerade elend und matt bist.

Gelegentlich höre ich sagen: „Wir haben aber keinen magischen Abendmahlsglauben!“ Ich habe mir dann angewöhnt zu sagen: „Doch haben wir!“ Wir glauben, dass da auf dem Altar vor dem Sprechen der Einsetzungsworte Brot und Wein liegen. Und man könnte diese Hostien als Brot mit Nutella bestreichen und zum Frühstück essen, weil sie nur Brot sind. Aber im Sprechen oder Singen der Einsetzungsworte geschieht ein Wunder aus der Kraft der Worte Christi und  es sind Leib und Blut Christi wahrhaft und wesentlich da, in, mit und unter Brot und Wein. (Dabei weiß ich natürlich, dass das Wort „magisch“ negativ besetzt ist und ich verwende es nicht selbst.)

Die anderen beiden Worte, die in den Einsetzungsworten von besonderer Bedeutung sind, lauten: „Solches tut!“ Dies ist der Auftrag, das Abendmahl zu wiederholen. Jesus Christus hat die Passahfeier des alten Bundes abgelöst durch seinen neuen Bund. Das tun wir. „Nehmt und esst!“ und „Nehmt und trinkt!“ so lautet der Auftrag Christi. Das tun wir. Dass wir das Sakrament aufbewahren, entspricht nicht dem Tun Christi. Es steht auch nicht da: „Lasst etwas übrig und tut damit so, als wäre nichts gewesen!“ Dann läge ja wieder das Missverständnis nahe, als mach unser Herzukommen und unser Glaube das Sakrament. Nein. Essen und trinken sollen wir und das tun wir. Und wenn vom Leib und Blut Christi etwas übrig bleibt dann verzehren der Pfarrer und der Küster in der Sakristei die Gaben, weil Christus gesagt hat: esst und trinkt! Für Luther ist natürlich auch denkbar, das Abendmahl direkt vom Altar weg den Kranken zu bringen, die in der Umgebung wohnen. Luther sagt von der damaligen Praxis der Krannkenkommunion: „Man muss je nicht so praecise machen, vier oder fünf schritt oder gleich ettliche stunden… weil man in actione ist, …tregts … uber die gassen, so bleibt und ist es corpus Christi.“ Diese gesamte Handlung gehört zusammen und Christus tut, was er sagt. Dass wir beim Krankenabendmahl am Krankenbett die Einsetzungsworte sprechen oder singen, trägt ja der Tatsache Rechnung, dass diese Worte auch Verkündigung sind.

„Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit“ werden uns im Sakrament geschenkt – ein ganzer Himmel schon hier auf Erden. Und wo der Seele auf diese Weise geholfen ist,  da ist dem Leib auch geholfen.

Hans-Jörg Voigt

Dieser Artikel erschien in der „Lutherischen Kirche“ 06/2012 und ist mit Bildern hier als PDF zum Download bereit: LUKI 06-2012 – Einsetzungsworte