6.07.2012

Zehn Fragen zum heiligen Abendmahl

Viele Christen haben Fragen zu einzelnen Details des heiligen Abendmahls – praktische wie theologische. Im Folgenden greifen Theologen der SELK immer wieder einige dieser Fragen auf und geben Antwort.

Wieso ist Abendmahlsgemeinschaft Kirchengemeinschaft?

Was soll das Zelt auf dem Altar?

Warum muss es überhaupt Wein sein und was ist mit alkoholkranken Menschen?

Abendmahlshelfer – spricht etwas dagegen?

Was geschieht mit dem restlichen Brot und Wein des hl. Abendmahls ?

Intinctio – eine sinnvolle Alternative zum Gemeinschaftskelch?

Auf welcher theologischen Grundlage basiert der „geschlossene Abendmahlstisch“?

Wieso ist Abendmahlsgemeinschaft Kirchengemeinschaft?

Die großen gotischen Dome haben versucht, diesen Gedanken in Stein zu bauen, errichtet im Grundriss des Leibes Christi, setzten sich die Seitenschiffe wie die ausgestreckten Arme Jesu ab und der Chorraum, in dem der Altar zu stehen kam, wurde nicht gerade, sondern in leicht geneigter Form errichtet, um das geneigte Haupt Christi zu veranschaulichen. Kirche ist der Leib Christi und wir, die Christen sind die Glieder an diesem Leib.

Wie alles, was in der Kirche gesagt und geglaubt wird, hat auch dies seinen Ursprung und Anhalt in der Heiligen Schrift. Wenn der Apostel Paulus in einer die Zustimmung voraussetzenden rhetorischen Frage formuliert: „Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?  Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“ (1. Korinther 10,16-17). Demnach ist die Gemeinschaft des Leibes Christi, die wir mit anderen Worten auch die Kirche nennen, in letzter Konsequenz die Gemeinschaft getaufter Christenmenschen am Altar.

Der Altar einer konkreten Ortsgemeinde, an dem das Heilige Abendmahl gefeiert wird, konstituiert die Kirche. Dabei ist eine Einzelgemeinde ganz Kirche aber natürlich nicht die ganze Kirche, denn viele Ortskirchen gehören zur Kirche. Wer also an einen konkreten Altar einer Ortskirche den Leib und das Blut Christi empfängt, wird mit dieser Ortsgemeinde Leib Christi. Deshalb ist Abendmahlsgemeinschaft grundsätzlich auch Kirchengemeinschaft.

Diese Sicht auf die Kirche trägt eine Menge Brüche in sich, über die natürlich auch zu reden ist. Da ist zum einen festzustellen, dass der Leib Christi, wie er zum Beispiel in der Lutherischen Kirche oder auch in einer kleinen lutherischen Bekenntniskirche wie der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, nicht der ganze Leib Christi ist. Weltweit leben getaufte Christenmenschen in der Ostkirche und der Westkirche, die natürlich auch der Leib Christi sind. Dies kommt vor allem darin zum Ausdruck, dass wir die Taufe der allermeisten Kirchen weltweit anerkennen. Jedoch verhindern Unterschiede in Fragen der Glaubenslehre bisher, dass wir eine Kirche sind. Das ist ein solcher logischer Bruch. Die Sehnsucht nach der Einheit der Kirche, die in dem einen Lieb Christi dem Glauben immer schon vorgegeben ist, prägt dabei unsere christliche Existenz.

Von besonderer Bedeutung ist für die Einheit der christlichen Kirche der Abendmahlsglauben selbst. Die Lutherische Bekenntniskirche weiß sich mit den meisten Kirchen weltweit darin verbunden, den Leib und das Blut Christi „wahrhaft und substantiell“ in Brot und Wein zu bekennen und zu glauben. Deshalb ist dieses Bekenntnis zu Leib und Blut Christi nach der Heiligen Taufe eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Heiligen Abendmahl. Auch für diese durchaus sperrige Aussage steht eine Lehre der Heiligen Schrift im Hintergrund. Der Apostel Paulus formuliert: „Denn wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.“ (1. Korinther 11,29). Daraus erwächst eine hohe Verantwortung für die Seelsorger einer Gemeinde. Deshalb können Menschen, die diesen Abendmahlsglauben nicht teilen auch nicht am Abendmahl der Lutherischen Kirche teilnehmen, denn das Gericht Gottes ist eine zu hohe Hürde.

Anderseits können wir auch davon ausgehen, dass es der in seinem Leib gegenwärtig Christus selbst ist, der im Abendmahl seinen Leib, die Kirche Gestalt gewinnen lässt, erhält, erbaut und zusammenführt. Der Kirchenvater Augustinus hat über dieses Geheimnis nachgedacht: „Willst du den Leib Christi verstehen, so höre den Apostel zu den Gläubigen sagen: ‚Ihr seid der Leib Christi und seine Glieder.‘ (1.Kor.12,27) Wenn ihr also Christi Leib und seine Glieder seid, so ist euer Mysterium auf den Tisch des Herrn gelegt: ihr empfangt eure Mysterium. Zu dem, was ihr seid, antwortet ihr Amen, und antwortend unterschreibt ihr es. Du hörst ja: ‚Der Leib Christi‘ und antwortest: ‚Amen.‘ Sei also wirklich Glied Chirsti, dass das ‚Amen‘ wahr sei!“

Hans-Jörg Voigt

Zum Inhaltsverzeichnis

—-

Was soll das Zelt auf dem Altar?

Die Anordnung der Abendmahlstücher mit den Abendmahlsgeräten geht auf sehr alte Bräuche in der Kirche zurück, deren Sinn sich häufig nicht auf den ersten Blick erschließt. Das Zelt auf dem Altar ist ein klarer Bezug auf die Offenbarung des Johannes, wo es heißt: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,3-5).  Da, wo Luther „Hütte“ übersetzt, ist eigentlich „Zelt“ zu lesen. Was der Seher Johannes hier beschreibt, erinnert natürlich auch die Stiftshütte, jenes Zelt, in dem sich für das alttestamentliche Gottesvolk die Gegenwart Gottes manifestierte.

Das Zelt auf dem Altar, das aus dem Kelch, dem Teller (Patene), einer quadratischen stoffumhüllten Bedeckung (Palla genannt) und dem größeren quadratischen Kelchvelum gebildet wird, soll anzeigen, dass die Offenbarung St. Johannes in  der Feier des Abendmahls erfüllt ist: Gott zeltet bei den Menschen, wenn er in mit Leib und Blut seines Sohnes Jesus Christus in Brot und Wein präsent ist. „Gott bei den Menschen … und er wird abwischen alle Tränen.“ das geschieht in der Feier des Abendmahls.

Dieses Zelt steht als Ort der Gegenwart Gottes in der Mitte des Altars, während die Bibel in Gestalt des Lektionars auf der Kanzel oder dem Lesepult liegt. Dabei können die Kelchvelen, die das Zelt bilden, auch in den Farben des Kirchenjahres ausgeführt sein. In vielen alten Kirchen hat man den Altarraum in blauer Farbe und mit Sternen ausgemalt, um die Offenbarung des Johannes noch weiter zu veranschaulichen, denn da, wo Christus ist, da hat der Himmel schon begonnen.

Hans-Jörg Voigt

Zum Inhaltsverzeichnis

Warum gibt es kein „echtes“ Brot am Tisch des Herrn?

Die Einsetzungsworte des Abendmahls lauten zu Beginn so: „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot, dankte, bach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis“ (1 Kor 11,23–24). Die Hostien, die aber bei den meisten Abendmahlfeiern verwendet werden, erinnern eigentlich kaum an Brot. Vielmehr sind das kleine, kreisrunde Teigscheiben, die oft noch mit kirchlichen Symbolen geprägt sind. War da aber nicht von Brot die Rede? Etwas, das mit den Hostien vergleichbar ist, kannte ich als Kind nur in Form der Oblaten, die meine Mutter für die Weihnachtsbäckerei verwendete. Ähnlich war nur noch das „Esspapier“, das es im Sommer im Freibadkiosk gab. Also warum wird beim Abendmahl kein richtiges Brot gebraucht?

Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas berichten übereinstimmend, dass Jesus mit seinen Jüngern das Passahmal feierte, als er das letzte Abendmahl beging. Passah ist das höchste Fest im Judentum, das einmal im Jahr im Kreise der Familie gefeiert wird und an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert (vgl. 2 Mose 12). Nach biblischem Vorbild sind die Speisen, die dabei verwendet werden, streng vorgeschrieben. Dazu gehören auch die Matzen, ein Brot, das nur aus Wasser und Mehl gebacken wird ohne Sauerteig. Dieses Brot mussten die Israeliten vor dem Auszug auf Gottes Befehl hin backen; denn das ging schnell. Außerdem muss dabei kein Rest des Sauerteigs für das nächste Brot aufbewahrt werden. Das würde auf der eiligen Flucht nur behindern. Matzen ist also das Brot, das mit Gottes Befreiungstat verbunden wird. Es hat den Geschmack der Freiheit, auch wenn es von vielen Juden heute als karge Fastenspeise empfunden wird.

Auch Jesus hat mit seinen Jüngern wohl solches Brot – nur aus Mehl und Wasser – beim Abendmahl gebrochen und gegessen. Daran erinnern unsere Hostien bis heute und stellen so auch eine Brücke zum Passah und zu Gottes Heilshandeln an Israel her. Allerdings ist das Abendmahl für uns Christen noch etwas anderes, der gebrochene und für alle gegebene Leib Christi. So ist die Verwendung von Hostien nicht zwingend. In vielen Kirchen wird auch „richtiges“ Brot, meistens Weißbrot, beim Abendmahl verwendet, in der SELK vor allem in Gemeinden der ehemaligen hessischen Renitenz. Dann wird in der Regel allerdings das Brot vor dem Abendmahl in Stücke geschnitten und nicht während der Feier mit der Hand zerteilt.

Hostien haben den Vorteil, dass sie wie Matzen länger aufbewahrt werden können und für jede Kommunikantin und jeden Kommunikanten schon geteilt sind. Weil sie Träger des Leibes Christi sind, kann man sie auch mit Prägungen versehen und hervorheben. Aber am Ende kommt es nur auf eins an: In, mit und unter dem Brot kommt Christus leibhaftig zu uns.

Achim Behrens

Zum Inhaltsverzeichnis

Warum halten wir nicht eine „richtige“ Mahlzeit statt des Abendmahls?

In der lutherischen Kirche wird beim Abendmahl vor allem der Aspekt der Gemeinschaft der Menschen mit Gott betont. Aber das gemeinsame Abendmahl stiftet doch auch Gemeinschaft unter den Christen. „Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil alle an einem Brot teilhaben“, schreibt Paulus im ersten Korintherbrief (1 Kor 10,17). Die Gemeinschaft der Christen kommt also in einer gemeinsamen Mahlfeier zum Ausdruck. Wenn das aber so ist, warum gibt es dann nicht eine wirkliche Mahlzeit mit mehr und reicheren Speisen als einer Hostie und einem Schluck Wein, am besten an einer langen Tafel, sodass Gespräch und Austausch möglich sind?

Es hat immer wieder Versuche in der Christenheit gegeben, das Abendmahl genau so zu gestalten. Dabei aber geht der besondere Charakter gerade dieses Mahles verloren. Christus stellt mit der Gabe seines Leibes und Blutes in Brot und Wein eine Beziehung zu seinem Tod her. Hier wird die Frage nach unserer Schuld gestellt und sie wird durch die Gabe und dem Empfang des leibhaftigen Herrn auch beantwortet. Hier im Abendmahl kommen wir Menschen dem heiligen Gott so nahe, wie sonst nirgends. In dem kurzen Moment des Essens und Trinkens sind unsere Schuld und unsere Erlösung präsent. Wir werden befreit von unserer Selbstbezogenheit und von Gott neu angenommen. Das ist etwas ganz besonderes und mit keiner anderen Mahlzeit vergleichbar. Auch der Umgang mit den Gaben und Worten Christi hat eine besondere Sorgfalt und Respekt verdient. Hier ist eben nicht bloß „Abendbrot“ sondern Gottes Dienst für uns in Christi Leib und Blut. Daher gehört dieses Mahl auch in den Gottesdienst. Die Unterscheidung dieses Mahls von anderen Mahlzeiten gehört dazu, wenn uns das Wesentliche des Abendmahls nicht verloren gehen soll.

Dann aber werden wir von Gott auch in eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern gestellt. Und das kann und soll durch gemeinsame Mahlzeiten, die fröhlich und üppig sind, zum Ausdruck kommen. Niemand soll allein bleiben, niemand soll Mangel leiden. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Osterfrühstück nach dem Gottesdienst – mit Zeit zum Reden und Hören. Übrigens kann ein gemeinsames Essen und Trinken, von dem die Bibel neben dem Abendmahl viel zu erzählen weiß, auch eine gute Gelegenheit zum ökumenischen Miteinander sein – auch wenn wir noch kein gemeinsames Abendmahl feiern.

Achim Behrens

Zum Inhaltsverzeichnis

Abendmahlsanmeldung: „Alter Zopf“ oder sinnvolle Regel?

„Warum gehen die Leute vor dem Abendmahlsgottesdienst alle in die Sakristei?“  Gäste in lutherischen Gemeinden werden sich gelegentlich so fragen. Gemeindeglieder wissen Bescheid: Es wird um Abendmahlsanmeldung gebeten.

Es ist gut, einen Blick in die Kirchengeschichte zu werfen um zu verstehen, was sich historisch hinter der Abendmahlsanmeldung  verbirgt.

Die Abendmahlsanmeldung hat ihren Ursprung in dem „Verhör“, das im 16. Jahrhundert in den lutherischen Kirchen eingeführt wurde und seinerseits mit der Beichte eng verknüpft war.

Das Augsburger Bekenntnis erklärt: „Die Beicht ist … nicht abgetan. Denn diese Ge­wohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, so nicht zuvor verhört und absolviert seind“. (vgl. CA Art XXV)

Dass Beichte und „Verhör“ im Laufe der Zeit durch den Pietismus und die Aufklärung des 17./18. Jahrhunderts degenerierte und z.T. begründeter Maßen kritisiert, angegriffen und schließlich aufgelöst wurden nehmen wir an dieser Stelle kommentarlos  zur Kenntnis.

Geblieben ist  im gottesdienstlichen Leben statt  geforderter zwanghafter Beichte und ungeistlich durchgeführtem  Beichtverhör die Möglichkeit einer persönlichen Abendmahlsanmeldung, die  sich ihrerseits wechselhaft entwickelte.

Wir haben zu fragen ob die bei uns (nicht in allen Gemeinden) geübte Abendmahlsanmeldung

ein  „alter Zopf“ ist oder eine sinnvolle Regel, die unserem geistlichen Leben gut tut.

Es gibt gute Gründe, die für die Abendmahlsanmeldung sprechen, wenn man sie nicht als ein statistisch – bürokratischer Akt ansieht,, bei dem nur etwas „aufgeschrieben“ wird, um irgendwann in einen Jahresbericht einzufließen.

  • Die Abendmahlsanmeldung  hilft, die Zahl der Kommunikanten im bevorstehenden Gottes­dienst (ansatzweise) zu erfassen und hat deshalb  mit einer gewissenhaften lutherischen Sakramentsverwaltung zu tun. So kann die benötigte Menge der zu konsekrierenden Hostien und des  zu segnenden Weins  bestimmt werden  und  ein Zuviel genauso wie ein Zuwenig wird vermieden. (Zur Frage, was mit nicht ausgeteilten  konsekrierten  Elementen geschieht s. den entsprechenden Beitrag)
  • Die Abendmahlsanmeldung hilft dem Pfarrer, sich einen  wirklichkeitsnahen Überblick über die Restanten in seiner Gemeinde zu verschaffen und diesen Gemeindegliedern durch Predigt und Seelsorge nachzugehen.  Es ist aller Seelsorge wert, zu erfahren, warum Gemeindeglieder plötzlich vom Tisch des Herrn wegbleiben, seltener kommen oder nur kommunizieren, wenn ein Vertretungspfarrer amtiert.
  • Die Abendmahlsanmeldung hilft dem Pfarrer, eigenen und fremden  Gemeindegliedern die Herrlichkeit des lutherischen Abendmahls zu bezeugen, auf die Kirche hinzuweisen und u.U. zu bitten,  dem Altar fernzubleiben und sich die Zeit zu nehmen, um sich selbst zu prüfen, bevor man von diesem Brot isst und von diesem Kelch trinkt.( nach 1.Kor. 11,28)
  • Die Abendmahlsanmeldung hilft dem Pfarrer bei seiner persönlichen Seelsorge. Vorausgesetzt dass genügend Zeit vorhanden ist,  kommt es zu  „Kurz-Kontakten“ mit Gemeindegliedern, die sich zu persönlichem Ergehen und familiärer Situation äußern. Nicht selten erscheinen Kommunikanten sehr früh, um dem Seelsorger ungestört zu begegnen.

Der persönliche Segenswunsch, das gemeinsame Gebet, auf den Sonntag bezogen und um gesegneten Abendmahlsemfang bittend, kann Dank und Bitten enthalten, die nur die verstehen, die ihren Pastor in der zurückliegenden Woche als Seelsorger erlebt haben.

So weitet sich die Seelsorge aus den Wohnhäusern bis in die Sakristei und an den Abendmahlsaltar.

Die Abendmahlsanmeldung ist ein Stück Seelsorge, wie sie unserer lutherischen Kirche angemessen ist. In ihr findet sich die Lehre von der Kirche und vom Heiligen Abendmahl wieder.

Wo sie noch zum gottesdienstlichen Leben gehört, sollten wir sie vertiefen. Wo sie verloren ist, sollten wir sie zurückholen.

Wolfgang Schillhahn

Zum Inhaltsverzeichnis

Warum muss es überhaupt Wein sein und was ist mit alkoholkranken Menschen?

Für die Reformatoren war es selbstverständlich, dass zur stiftungsgemäßen Feier des  Heiligen Abendmahls Brot und Wein verwendet wurden. Dabei ist es  auch in unserer Selbständigen Ev.-Luth. Kirche geblieben.

Wir möchten das Abendmahl in der Form feiern, in der Jesus Christus es eingesetzt und geordnet hat, wie es der heiligen Schrift entspricht und woran durch die Jahrhunderte einmütig festgehalten wurde, wie die Lieder und Eucharistiegebete der Kirche  belegen.

Dahinter steht die Überzeugung, dass die Kirche nicht  das Recht habe, das von Christus gestiftete Abendmahl durch menschliche Willkür zu ändern und Wein durch Traubensaft  zu ersetzen.

Der Herr Christus hat das hl. Abendmahl sehr eng mit dem Passahmahl verbunden. Nicht zu bestreiten ist die Tatsache, dass das dort verwendete Getränk eindeutig Wein war, zumal es, mangels irgendwelcher Konservierungsmöglichkeiten, zur Zeit des Passahmahls im März/April keinen unvergorenen Traubensaft geben konnte.

Mit dem Befehl „dies tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis“ (1.Kor.11, 24f) wird den Apostel und damit auch uns aufgetragen  am Altar  zu tun, was Christus am ersten Gründonnerstag tat: Wir nehmen Brot und Wein, segnen es mit Gottes Wort und teilen  es aus. Nur so feiern wir das von Christus gestiftete Sakrament.

Untergeordnet ist die Frage nach der Farbe des Weins. Die röm.-kath. Kirche hat für die Beschaffenheit des Abendmahlsweins klare Bestimmungen, denen wir uns problemlos anschließen können: Der Messwein muss naturrein sein und einwandfrei ohne irgendwelche Zutaten. Vorschriften für die Farbe gibt es nicht (mehr). Während im Osten Rotwein bevorzugt wird, hat sich bei uns der Weißwein weitgehend durchgesetzt. Ortsweise auch deshalb, weil Rotweinflecken das Sauberhalten der Altarwäsche  schwierig machen.

Als 1562 in Schweden durch den Krieg mit den Dänen eine Weinknappheit eintrat und die Abendmahlsfeiern der Gemeinden gefährdet waren, hat man dennoch beschlossen, dass „weder aus diesem Grunde noch aus irgendeinem andern Christi Ordnung verändert werden darf.“

Wir werden, auch  im Blick auf unsere alkoholkranken Mitmenschen, nicht einfach sagen können, dass wir den Wein gegen Traubensaft austauschen, wenn  wir das hl. Abendmahl stiftungsgemäß mit Brot und Wein feiern wollen, so wie Jesus Christus es eingesetzt und geordnet hat.

Wir wissen dabei sehr wohl, dass alkoholkranke Menschen durch den kleinsten Schluck Wein oder bereits durch den Weingeruch in größte Not kommen können. Seelsorge an ihnen gebietet, das ernst zu nehmen und in allen Konsequenzen zu überdenken.

Seelsorge an ihnen gebietet aber auch, sie unter Akzeptierung ihrer Krankheit dafür zu gewinnen, die Ordnung Gottes zu beachten.

Auch wenn es einzelne alkoholkranke Christen gibt, die in der Lage sind, aus einem tiefen Abendmahlsglauben  heraus zu kommunizieren, werden wir in der Regel  doch dahin wirken, dass der alkoholkranke Abendmahlsgast auf den Kelch verzichtet und es nach dem Empfang des Leibes Christi bei dem Zuspruch bleiben lässt: Christi Blut, für dich vergossen.

Seelsorgerlich ist diese Reglung,

weil der Alkoholkranke inmitten seiner Gemeinde an den Altar tritt

  • und nicht durch ein besonderes „Saftabendmahl“ einen eigenen Weg gehen muß,
  • weil seinetwegen nicht die Stiftung des Heiligen Abendmahls verändert wird und
  • weil auch unter der Brotgestalt der ganze Christus sakramental  mit allen Gnadenzusagen für ihn gegenwärtig ist.

Wolfgang Schillhahn

Zum Inhaltsverzeichnis

Abendmahlshelfer – spricht etwas dagegen?

Im Rahmen der Abendmahlsfeier wird es im Gottesdienst vielerorts einsam um den Pfarrer am Altar. Vorher haben häufig im Gottesdienst Lektoren die biblischen Lesungen vorgetragen und Musiker den Gottesdienst durch Vorspiele und Liedbegleitung bereichert, haben Kindergottesdienstmitarbeiterinnen die Kinder in den Kindergottesdienst begleitet und Gemeindeglieder Fürbitten beim Allgemeinen Kirchengebet übernommen. Bei der Abendmahlsfeier lässt sich eine vergleichbare Beteiligung in vielen Gemeinden nicht finden. Der Pfarrer agiert alleine, die Stücke der Abendmahlsliturgie werden a cappella gesungen oder gesprochen. Schließlich treten die Abendmahlsgäste an den Altar und empfangen den Leib und das Blut Christi – meist allein vom Pfarrer, bevor dann nach der Abendmahlsliturgie die Gemeindebeteiligung wieder einsetzt. Lieder werden wieder begleitet, Kirchenvorsteherinnen benennen im Rahmen der Abkündigungen wichtige Hinweise. Das Nachspiel beendet den Gottesdienst. Nur bei der Abendmahlsfeier wird es vielerorts einsam um den Pfarrer.

Dabei wäre das gar nicht nötig. Es gibt Dienste, die auch im Rahmen der Sakramentsfeier denkbar und sinnvoll sind und gut von anderen Christen übernommen werden können. Mancherorts ist es üblich, dass neben dem Pfarrer auch Gemeindeglieder bei der Austeilung der Abendmahlsgaben mithelfen. Das ist gerade bei vielen Abendmahlsgästen empfehlenswert. Abendmahlshelfer können dabei zum einen dem Pfarrer eine Hilfe sein, da die Abendmahlsfeier bisweilen durchaus körperlich anstrengend ist. Zum anderen kann solches Mittun auch für die Gemeindeglieder eine Hilfe sein, deren Kräfte für einen übermäßigen langen Gottesdienst nicht ausreichen und die durch eine zeitliche Straffung der Abendmahlsausteilung entlastet werden.

In der Regel werden solche Abendmahlshelfer den Kelch austeilen, da mit dem Reichen der Hostie zugleich auch die Zulassung zum Abendmahl einhergeht, die in den Verantwortungsbereich des Pfarrers fällt. Wie bei anderen Diensten in Kirche und Gemeinde ist eine Schulung Voraussetzung für solche Mitarbeit am Altar. Fragen sind zu klären und praktische Vollzüge einzuüben: Wie ist der Kelch zu handhaben? Wie ist er auch beim Weitergehen zwischen den Kommunikanten zu reinigen? Worauf ist bei der Austeilung zu achten und was ist zu bedenken?

Besonders schön und ausdrucksstark ist es, wenn auch der Pfarrer selbst die Abendmahlsgaben von einem Abendmahlshelfer empfängt. So wird anschaulich: Das Abendmahl ist ganz Gabe, nichts, was ich mir selbst gebe und nehme.

Die Konsekration, also die Segnung der Abendmahlsgaben, ist und bleibt allerdings Aufgabe des Pfarrers, der gerade auch dazu in seiner Ordination gerufen worden ist. Diese Aufgabe lässt sich damit nicht an Abendmahlshelfer delegieren. Ebenso wenig ist es denkbar, dass ein Pfarrer an einem Sonntag mehr Abendmahlsgaben als nötig konsekriert und ein Abendmahlshelfer die übrig gebliebenen Gaben am nächsten Sonntag bei Abwesenheit des Pfarrers verteilt. Die Abendmahlsfeier bildet einen Gesamtzusammenhang von Segnung, Austeilung und Empfang der Gaben, der sich nicht in Einzelteile zerlegen lässt. Die Einsetzungsworte, an denen sich auch der Glaube festmacht, lassen sich nicht vom Empfang der Abendmahlsgaben trennen.

Doch die Hilfe bei der Austeilung des Abendmahls muss nicht der einzige Punkt sein, an dem Gemeindeglieder ihren Dienst im Rahmen der Abendmahlsfeier übernehmen. Denkbar ist auch, dass die Abendmahlsgaben zu Beginn des Gottesdienstes oder zu Beginn der Abendmahlsfeier von Gemeindegliedern zum Altar gebracht werden – dies auch als eine Erinnerung daran, dass in der ersten Zeit der christlichen Kirche die Abendmahlsgaben von dem ausgesondert wurden, was die Gemeindeglieder an Naturalien als Dankopfer mit zum Gottesdienst gebracht hatten. Gerade auch Kinder können für einen solchen Dienst gewonnen werden und so als Mitwirkende an die Abendmahlsfeier herangeführt werden.

Es muss bei der Abendmahlsfeier also nicht einsam bleiben um den Pfarrer. Gemeindeglieder können mit ihren Begabungen mithelfen und mitgestalten und so anderen am Tisch des Herrn dienen.

Prof. Dr. Christoph Barnbrock

Zum Inhaltsverzeichnis

Was geschieht mit dem restlichen Brot und Wein des hl. Abendmahls?

Die lutherische Kirche bekennt vom hl. Abendmahl, dass mit den gesegneten („konsekrierten“) Elementen Brot und Wein zugleich der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi vom Pfarrer ausgeteilt und von den Abendmahlsgästen empfangen werden. Nicht der Glaube der Christen macht also das Sakrament zum Sakrament, auch nicht die Frömmigkeit, die Ehrlichkeit oder die Authentizität des Pfarrers. Nein, allein das Wort Christi macht aus den alltäglichen Lebensmitteln Brot und Wein eine Speise des ewigen Lebens: „Das ist mein Leib, für euch dahingegeben! Das ist mein Blut, für euch vergossen!“ (nach Lukas 22,19f.) Mit diesen Worten, die der Sohn Gottes am Vorabend seiner Kreuzigung sprach, hob die neue Schöpfung an, kam Gottes ewige und heilvolle Zukunft in unsere Welt.

Wenn der Pfarrer, der im hl. Abendmahl anstelle Christi handelt, heute die Abendmahlsworte über Brot und Wein – den „Elementen“ der Abendmahlsfeier – spricht, dann geschieht genau dasselbe: Dann tritt Gottes zukünftige Welt, sein ewiges Heil, ganz real in unsere Welt ein. Unscheinbar, ganz winzig und dem menschlichen Auge verborgen. Nur der Glaube erkennt: Hier ist eine neue, eine unvergängliche Wirklichkeit angebrochen! Und wir, die wir das hl. Abendmahl mitfeiern, die wir in Brot und Wein zugleich den wahren Leib und das wahre Blut Jesu Christi empfangen, gewinnen Anteil an dieser unvergänglichen Wirklichkeit.

Gelegentlich taucht die Frage auf, was denn mit dem Brot (den „Hostien“) und dem Wein geschieht, die nach einer Abendmahlsfeier noch übrig sind. Das ist etwa dann der Fall, wenn bei sehr großen Gottesdiensten eine Anmeldung zum hl. Abendmahl nicht mehr möglich ist und die Zahl der Teilnehmer darum nur geschätzt werden kann. Dann kann es leicht passieren, dass der Pfarrer mit seiner Schätzung danebenliegt und am Ende noch Brot und Wein übrig sind.

Ein solcher Fall ist in den neutestamentlichen Abendmahlsberichten nicht vorgesehen – und darum wissen wir nicht, was Jesus getan hätte. Nirgendwo aber finden wir Hinweise, dass die Gegenwart des Leibes und Blutes unter den konsekrierten Elementen von Brot und Wein endet, nur weil die Abendmahlsfeier beendet ist. Ein „Rückzug“ des Herrn Christus aus den Gaben, ihre „Rückverwandlung“ in bloße Lebensmittel wird nirgendwo berichtet oder auch nur angedeutet. Nach allem, was wir sagen können, haben wir es vielmehr bleibend mit der Gegenwart des Leibes und Blutes Jesu Christi in den gesegneten Gaben zu tun.

Auf die Frage, wie mit diesen Resten (den „Relicta“) umzugehen sei, gibt es vor diesem Hintergrund nur eine Antwort: „Konsekrierte Elemente sollen verzehrt werden“ – so heißt es auch in Artikel 27 der „Anweisungen zum Gebrauch“ der Evangelisch-Lutherischen Kirchenagende der SELK. Im sonntäglichen Gemeindegottesdienst wird das durch den zelebrierenden Geistlichen geschehen. Hat er sich zunächst selbst am Altar mit den hl. Gaben gespeist, verzehrt er zum Ende der Mahlfeier vor den Augen der Gemeinde die restlichen Hostien und leert den Abendmahlskelch bis auf den Grund. Gelegentlich begegnet man zusätzlich der Praxis, dass der Pfarrer den geleerten Kelch mit etwas Wasser ausspült. Zusammen mit den etwa noch vorhandenen Krümeln der Hostien, kann der Geistliche so die Gaben ganz verzehren. Alles Menschenmögliche ist damit getan, um den wahren Leib und das wahre Blut Jesu Christi denen zuteil werden zu lassen, für die sie bestimmt sind: den Menschen zu ihrem ewigen Heil. Und dann hat die Gemeinde allen Grund, den Lobgesang anstimmen: „Herre, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren …“ (Lukas 2,29)

Dr. Wolfgang Fenske

Zum Inhaltsverzeichnis

Intinctio – eine sinnvolle Alternative zum Gemeinschaftskelch?

War der sogenannte „Laienkelch“, den die Reformation im 16. Jahrhundert erstritten hatte, lange Zeit Zeichen und Symbol evangelischen Selbstbewusstseins, so wird die Kelchkommunion  heute mehr und mehr – auch aus hygienischen Gründen – diskutiert und kritisiert.

Dass nachweislich wohl Übertragungen von Krankheiten über den Gemeinschaftskelch aus Edelmetall nicht möglich sind, ist wohl bei der persönlichen Empfindsamkeit der Einzelnen sekundär.

So haben sich inzwischen andere Formen der Kommunionausteilung etabliert, die der lutherischen Kirche und Frömmigkeit noch vor wenigen Jahrzehnten fremd waren.

Dazu gehört auch das Eintauchen der Hostie in den Kelch: die „Intinctio“. Sie ist in zwei Varianten möglich: Entweder taucht der Austeilende die Hostie selbst in den Kelch und reicht sie mit dem Wein als Mundkommunion dem Kommunikaten oder der Kommunikant empfängt den Leib Christi in der Form der Handkommunion und taucht beim Austeilen des Kelches die Hostie selbst in den Kelch.

Theologisch wird immer wieder angeführt, die „Intinctio“ entspräche nicht den Worten Christi, der ja befohlen hatte, dass alle aus dem Kelch trinken sollten. Zum anderen würde auch die Symbolik des Trinkens aus dem E I N E N Kelch zerstört, wenn er nur noch als Eintauchgefäß benützt würde.

Sicherlich sind diese Argumente stichhaltig und nachvollziehbar und doch – so finde ich – nicht zwingend. Denn auch beim Sakrament der Heiligen Taufe tauchen wir ja in der Regel den Täufling nicht mehr ganz unter Wasser, sondern begießen das Haupt dreimal sichtbar mit Wasser.

Ich meine, was wir bei einem Sakrament ohne Probleme praktizieren, muss auch beim anderen gelten.

Es kann schließlich nicht unser Ziel sein, dass Christenmenschen dem Abendmahl des Herrn fern bleiben, nur weil sie nicht aus dem Gemeinschaftskelch trinken möchten/wollen!

Auch bei älteren Menschen und Schwerstkranken (z.B. bei der Krankenkommunion) kann die Kommunion aus dem Gemeinschaftskelch insofern problematisch werden, wenn noch im Mund vorhandene Hostienteile in den Kelch zurückfließen. Gerade dann kann die „Intinctio“ eine wertvolle Alternative sein und auch für den Pfarrer im Hinblick auf seine Sorgfaltspflicht den anderen Abendmahlsgästen gegenüber sinnvolle und entlastende Alternative sein.

Zudem lassen sich ja beide Formen problemlos nebeneinander praktizieren und geben somit Raum zu wahrer evangelischer Freiheit.

Frank-Christian Schmitt

Zum Inhaltsverzeichnis

Auf welcher theologischen Grundlage basiert der „geschlossene Abendmahlstisch“?

Einen endgültig „geschlossenen Abendmahlstisch“ wird es erst bei der Wiederkunft Christi geben, so schildert es Christus selber in seinem Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matthäus 25,10-12.

Wenn die lutherische Kirche die Praxis übt, Glieder anderer Kirchen nicht bei sich zur Kommunion zuzulassen, dann geht es ihr nicht darum, Menschen vom Heil auszuschließen und die letzte Scheidung zwischen drinnen und draußen schon einmal in die Gegenwart zu verlegen. Sie maßt sich damit erst recht nicht an, die einzige christliche Kirche zu sein. Sie hat vielmehr andere ernste geistliche Gründe für die Beibehaltung dieser Praxis:

Voraussetzung für die Teilnahme am Heiligen Mahl ist zunächst einmal die Taufe: Nur wer durch die Taufe Kind Gottes geworden ist, ist auch an den Tisch im Vaterhaus Gottes eingeladen. Von daher mussten in der frühen Zeit der Kirche Ungetaufte den Gottesdienst vor Beginn der Sakramentsfeier verlassen. Darum geht es wohl auch schon in 1. Korinther 16,22, der am Anfang der Abendmahlsliturgie verlesen wurde.

Im selben Brief schreibt Paulus: „Wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.“ (1. Korinther 11,29) Eindrücklich weist er darauf hin, dass man sich mit der Teilnahme am Heiligen Abendmahl auch schaden kann. Dies geschieht, wenn man „den Leib des Herrn nicht achtet“. Damit ist ein Doppeltes gemeint: Zum einen, dass man die Teilnahme am Heiligen Abendmahl nur für seine Privatangelegenheit hält und nicht wahrnimmt, dass man durch das Heilige Mahl mit den anderen Kommunikanten zu dem einen Leib des Herrn zusammengeschlossen wird. Wer sich lieblos oder unversöhnlich gegenüber denen verhält, mit denen er gemeinsam die heilige Speise empfängt, „achtet den Leib des Herrn nicht“. Dies geschieht zum anderen aber auch da, wo man die Speise des Heiligen Mahles nicht von gewöhnlicher Speise unterscheidet, wo man also glaubt, nur ein Stück Brot und einen Schluck Wein im Sakrament zu empfangen. Wer die klaren Stiftungsworte Christi nicht wahrnimmt oder sie umdeutet, erkennt die wahre Gabe des Sakraments nicht und schadet sich gerade so, indem er diese Gabe empfängt, ohne sie zu achten.

Wenn die lutherische Kirche Glieder anderer Kirchen bittet, vor der ersten Teilnahme am Heiligen Mahl das Gespräch mit dem Pastor zu suchen, dann möchte sie verhindern, dass Menschen sich das Sakrament zum Gericht nehmen. Sie würde sich schuldig machen, wenn sie verschweigen würde, was ihr zu bezeugen aufgetragen ist.

Doch sollte man es nicht jedem selber überlassen, ob er zum Sakrament kommen will oder nicht? Wir hörten schon: Die Teilnahme am Heiligen Mahl ist nicht nur meine Privatangelegenheit. Ich werde eingebunden, ja hineingezogen in die Gemeinschaft derer, mit denen ich das Sakrament empfange. Darum sollte ich auch Ja sagen können zu dem, was bei dieser Sakramentsfeier bekannt wird, und das Bekenntnis derer teilen, die mit mir das Sakrament empfangen. Es geht hier schlicht und einfach um Ehrlichkeit. Wenn ich aber das Bekenntnis der lutherischen Kirche teile, dann kann ich nicht am nächsten Sonntag an einer Sakramentsfeier in einer anderen Kirche teilnehmen, die dieses Bekenntnis gerade nicht teilt, sondern verschleiert. Dies ist etwa in den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland der Fall, die die sogenannte „Leuenberger Konkordie“ unterschrieben und damit die reformierte Abendmahlslehre als richtige Auslegung der Abendmahlsworte Jesu anerkannt haben. Wer an Sakramentsfeiern in unserer lutherischen Kirche teilnimmt, den bitten wir darum, nicht zugleich in Kirchen mit einem anderen Abendmahlsbekenntnis zu kommunizieren. Und wer erkannt hat, was die Gabe des Sakraments nach den Worten Christi tatsächlich ist, der wird dann auch in der Kirche zu Hause sein wollen, die diese Gabe klar und unmissverständlich bekennt. Und der wird dann schließlich auch Martin Luther Recht geben, der sich zu dem Thema klar und deutlich geäußert hat: „Es ist mir schrecklich zu hören, dass in einerlei Kirche oder bei einerlei Altar sollten beide Teile einerlei Sakrament haben und empfangen, und ein Teil sollte glauben, es empfange nur Brot und Wein, das andere aber glauben, es empfange den wahren Leib und Blut Christi. Und oft zweifle ich, ob’s zu glauben sei, dass ein Prediger oder Seelsorger so verstockt und boshaft sein könnte und hierzu stillschweigen und beide Teile also lasse gehen, ein jeglicher in seinem Wahn, dass sie einerlei Sakrament empfangen, ein jegliches nach seinem Glauben.“

Dr. Gottfried Martens

Zum Inhaltsverzeichnis