19.01.2011

„Meinetwegen bleib ich hier“?

„Ich will nicht ins Paradies. wenn der Weg dorthin so schwierig ist…“ heißt es auf einer CD der Rockgruppe ,Die Toten Hosen‘, ..ich stelle keinen Antrag auf Asyl, meinetwegen bleib ich hier.“ Kein Wunder, wenn sie weiter singen, dass das Paradies nur für die besteht, die eine Lebensprüfung mit Eins bestehen, und die auch sonst immer Ja und Amen sagen, Messer und Gabel richtig halten, sich unterordnen und nachmachen, was andere vorsagen. Was ist das für ein Paradies, wo nur solche Menschen hinkommen? Ob die Toten Hosen nicht ein bisschen den Nerv treffen, wenn sie unter solchen Umständen feststellen: „Meinetwegen bleib ich hier“?

Die Taufe schließt den Himmel auf. Sie ist vergleichbar mit einer Freikarte für eine Oper, einen Stadionbesuch oder den Zirkus. Die Eintrittskarte in den Himmel ist keine verbilligte Eintrittskarte, sondern ganz und gar umsonst zu haben. Sie wird Kindern und Erwachsenen gleichermaßen geschenkt. Sie verheißt das Heil allen: Männern, Frauen, Kindern und Kleinkindern. Durch sie wirkt Gottes Heiliger Geist in uns. Das Göttliche verbirgt sich im Unscheinbaren: Wort und Wasser. Die Taufe hat ein Ziel: Menschen selig zu machen. Im Augsburger Bekenntnis heißt es, die Taufe sei (Heils-)notwendig und dass durch sie Gnade angeboten wird. Wer sich (auch schon als kleines Kind) taufen lässt, wird damit Gott überantwortet. Im Kleinen Katechismus erklärt Martin Luther: ..Die Taufe wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben.“ Das wird in den Worten der Bibel vorgezeichnet und wird durch die Taufe wirksam. Von Gott geht dieses alles aus. Alles, was Gott in uns tut, wirkt er durch äußerliche Mittel. Es geht also gar nicht um ein anständiges Leben, das Einhalten von Moral oder Geboten als Voraussetzung für eine Eintrittskarte in Paradies.

Es soll niemand je zur Taufe durch Zwang oder Druck genötigt werden. Bloß nicht! Das widerspricht jeder ernstgemeinten Auffassung von Taufe, Zeugnis und Mission. Überhaupt: Schenkt nicht der so genannte Missions- und Taufbefehl (Jesus sagt: ..Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage.“ [Matthäus 28,18-20]) ganz große Gelassenheit? Jesus garantiert seine Gegenwart: Aus dieser Zuversicht heraus bezeugt ein Christ, was Glaube und Taufe ausmacht. Entschleunigend wirkt dieses: ,Geht hin‘. Gerade nicht damit gemeint scheint: Fahrt so schnell es geht über alle Meere bis ans Ende der Welt! Erreicht alle Menschen! Beeilt euch! Die Zeit drängt! Dieses ,Geht hin‘ hat etwas damit zu tun, eine gemeinsame Wegstrecke über einen Zeitraum hin zurückzulegen, auf der sich ausgetauscht wird, was es bedeutet Christ zu sein, Christ zu werden, Christ zu bleiben. Wo bezeugt wird, dass die Taufe uns den Himmel aufschließt. Die Taufe schließt den Himmel auf. Der Glaube erschließt sich dem getauften Menschen ein Leben lang. Wer getauft ist und aus dem Glauben an Jesus Christus lebt, wird dieses da, wo es passt und hingehört, bezeugen. Und wer noch nicht getauft ist, mag sich dadurch einladen lassen, sich näher mit der Sache des Glaubens zu befassen. Luther fragt im Großen Katechismus: Wenn es irgendwo einen Arzt gäbe, der die Kunst beherrschte, und ein Medikament erfände, dass Menschen nicht sterben müssten, oder wenn sie sterben doch ewig leben könnten, ob die Menschen nicht alles Geld geben würden, um dieses zu bekommen? Die Taufe ist genau dieses Medikament, das den Tod überwindet und Leben schenkt und erhält. Ewiges Leben.

,Ich will nicht ins Paradies‘, singen die Toten Hosen. Ich will aber ins Paradies. Und ich habe die entsprechende Eintrittskarte, die mir den Himmel aufschließt: Die Taufe.

P. Markus Nietzke, BA

Artikel zum Download: Nietzke „Tote Hosen“