19.01.2011

Fünf Fragen – und Antworten – zur Taufe

Fünf Theologen der SELK beantworten Fragen, die den einen oder anderen im Zusammenhang mit der Taufe bewegen:

Kommen alle Ungetauften in die Hölle?
Eile bei der Taufe – muss das wirklich sein?
Ist mir der Himmel durch die Taufe gewiß?
„Mein Kind soll selbst entscheiden“ – eine gute Idee?
Was ist dran an der Erbsünde?

Kommen alle Ungetauften in die Hölle?

Wir richten nicht an Gottes Stelle. Es ist ein geistlicher Trost, dass Gott selbst Menschen rufen kann durch den Glauben und sei es auch ohne Taufe. Er ist der Richter und wir sind frei davon, andere und ihr Schicksal im Einzelnen beurteilen zu müssen.

Diese Feststellung darf natürlich nicht den Ernst der Lage verschleiern. Die heilige Taufe ist Wiedergeburt und absolut heilsnotwendig, denn man kann nur geistlich tot oder geistlich lebendig sein. Die Taufe ist von Christus eingesetzt, um uns des ewigen Heils gewiss zu machen. Deshalb ist auch die Nottaufe in Sterbensgefahr unverzichtbar.

Dieses Zeugnis der Heiligen Schrift können wir unseren Mitmenschen nicht vorenthalten, dass wer den Glauben und die heilige Taufe ablehnt, Gefahr läuft, eine Ewigkeit in ewiger Gottferne und Verlorenheit zu verbringen. Das ist die Hölle!

Solche Überlegungen führen notwendig an die Grenzen der Vorstellungskraft des Glaubens. In der berühmten Areopagrede die der heilige Lukas aus dem Mund des Apostels Paulus überliefert, wird das Problem aufgegriffen: „Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit…“ (Apg. 17,30-31). Die „Unwissenheit“ wird demnach im Gericht Gottes nicht zum Verhängnis, wohl aber die Verweigerung von Buße und Umkehr.

Zugegeben, dies sind sperrige Glaubensaussagen aber die vorschnellen Ermäßigungen, dass schon irgendwie alle gerettet werden, haben keine Grundlagen im Zeugnis der Heiligen Schrift. So bleibt die Spannung zwischen dem Heilswillen Gottes für alle Menschen und der Tatsache, dass nicht alle sich rufen lassen. Das Geschenk der heiligen Taufe hingegen beginnt vor diesem Hintergrund ganz neu zu glänzen.

Bischof Hans-Jörg Voigt

Eile bei der Taufe – muss das wirklich sein?

Wann soll ich mein Kind taufen lassen? Antwort: So schnell wie möglich! Warum diese Eile? In der Liturgie der Osternacht heißt es: „Was wäre es uns nütze, dass wir geboren sind, wären wir nicht erlöst und gerettet.“ Diese Rettung zum ewigen Leben empfängt das Kind in der heiligen Taufe. Wer wollte lange zögern, dieses wunderbare Geschenk seinem Kind zuteil werden zu lassen?

Eltern können bereits lange Zeit vor dem Geburtstermin die Paten um ihren Dienst bitten, auch um Fürbitte während der Schwangerschaft und für eine glückliche Geburt. Auch mögliche Tauftermine um den Geburtstermin herum können bereits frühzeitig mit dem Pfarrer, den Paten und Verwandten abgesprochen werden.

Erfahrungsgemäß ist ein früher Tauftermin, nur wenige Tage nach der Geburt, für Mutter und Kind sehr gut verkraftbar. Ist Ihr Kind getauft, ist es mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus verbunden worden und damit ein Erbe des ewigen Lebens. Darum ist die heilige Taufe das Allerschönste und Wichtigste, was Ihrem Kind geschenkt werden kann!

Propst Johannes Rehr

Ist mir der Himmel durch die Taufe gewiß?

Ja!

Als ich das zarte Alter von sechs Wochen erreicht hatte, hat mir mein Gott und Schöpfer in der Taufe in aller Form angetragen und geschenkt, daß ich Miterbe der himmlischen Herrlichkeit sein soll – durch meinen Heiland Jesus Christus frei von allen Verstrickungen in Schuld und Fehl, durch Gottes Geist erneuert und vertrauensvoll auf Gott ausgerichtet.

Sollte im Alltag auch mein Gottvertrauen angefochten werden, sollte ich den Herrn Jesus aus dem Blick verlieren: Gott hat in mein Christenleben das entscheidende erste Wort gesprochen; Gottes Zusage bleibt gewiß in allen Unsicherheiten und Fragwürdigkeiten meiner Existenz; Gott hat sich als himmlischer Vater zu mir als zu seinem Kind bekannt, dabei bleibt er. In die Arme meines himmlischen Vaters darf ich von jeder Kurve meines Lebenswegs zurücklaufen, sogar wenn ich mich ganz und gar verlaufen hätte – in Person des Heilands Jesus Christus geht Gott allezeit und allewege mit mir, damit mein Weg ans Ziel kommt und ich das himmlische Erbe tatsächlich antreten kann.

Pfarrer Theodor Höhn

„Mein Kind soll selbst entscheiden“ – eine gute Idee?

Wer Kinder hat, wünscht sich in der Regel, dass die selbständige Menschen werden. Dazu gehört auch, dass die Kinder einmal ihre eigenen Entscheidungen treffen. Und das ist tatsächlich eine gute Idee! Denn Selbständigkeit und eigene Entscheidungen gehören zum Leben dazu. Muss man dann seinen Kindern über die Säuglingstaufe den christlichen Glauben und gleich noch eine Kirchenmitgliedschaft aufdrängen? Klingt plausibel, aber Vorsicht! Eltern treffen dauernd Entscheidungen für ihre Kinder und geben ihnen Ansichten und Werte mit. Kinder werden nicht gefragt, ob sie geimpft werden wollen oder nicht; es geschieht mit ihnen oder nicht! So bringen Christen ihre Kinder zur Taufe, weil sie überzeugt sind, dass der Glaube das wichtigste im Leben ist. Das ist eine Vorentscheidung, aber es nicht zu tun, ist auch eine! Klar kann ein Mensch irgendwann auch aus der Kirche austreten oder selbst Ja zu seiner Taufe sagen. Dafür gibt’s eigentlich die Konfirmation. Am Ende aber geht es bei der Taufe weder um die Entscheidung der Eltern oder der Kinder, sondern darum, dass Gott sich einem Menschen bedingungslos zuwendet, sogar bevor der noch Laufen oder Sprechen kann! Sein Kind dieser Liebe Gottes auszusetzen – egal wie es sich später entscheidet – das ist eine gute Idee!

Prof. Achim Behrens

Was ist dran an der Erbsünde?

„Das Baby ist doch süß!“, sagt die Oma. „Aber nicht immer“, knurrt der Vater. Denn wenn nachts der Hunger kommt, schreit es solange, bis sein Bedürfnis gestillt ist. „Ganz natürlich“, findet Oma das – aber hier liegt auch das Problem: Schon in der Wiege sieht der Mensch seine Bedürfnisse, seine Freiheit und seine Selbstverwirklichung als Zentrum aller Dinge an. Entsprechend hart urteilt sie Bibel im 1. Buch Mose: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“, heißt es in Kapitel 8, Vers 21.

So bildet die ganze Menschheit seit dem Sündenfall eine Sündergemeinschaft. Unentrinnbar. Seit dem ersten Atemzug. Ganz gleich, ob man nun Christ, Atheist, Jude oder Moslem ist.

Einen Unterschied macht allein die Taufe. Nach lutherischem Glauben tilgt die Taufe die Schuld der Erbsünde, nicht aber die Erbsünde selbst. Ihren Folgen – unseren unzähligen Einzelsünden – können auch wir getauften Christen nicht entrinnen. Sie bricht sich immer wieder in Gedanken, Worten und Werken Bahn und bleibt vor Gott zu bekennende Sünde, solange wir leben.

Doch mit der Taufe und dem Glauben an Jesus Christus, der alle Sünde der Welt hinweggenommen hat, können wir Sünder Vergebung erlangen – dank der Wiedergeburt aus Wasser und Geist.

Propst Gert Kelter


PDF zum Download: 5 Fragen zur Taufe