2.10.2010

Die 10 Gebote und die Beichte

Eine Sammlung von Beichtansprachen, die Pfarrer Michael Bracht anhand des Kleinen und Großen Katechismus entwickelt hat.

DAS ERSTE GEBOT

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
Was ist das?
Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

Was ist unter „Gott“ zu verstehen? Antwort: Einen „Gott“ nennt man dasjenige, von dem man alles Gute erhofft und zu dem man in aller Not Zuflucht nimmt. Einen „Gott haben“ bedeutet darum nichts anderes als jemandem (oder einer Sache) von Herzen zu vertrauen und zu glauben …

Dies beides gehört zusammen: Glaube und Gott. Woran du nun, so sage ich, dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.

Darum ist der Sinn dieses Gebotes der, dass es rechten Glauben fordert und ein herzliches Vertrauen, das sich auf den rechten, einen Gott … Mit andern Worten: Sieh zu und lass mich allein deinen Gott sein und suche ja nicht einen andern.

Und das heißt: Was dir an Gutem fehlt, das erhoffe von mir und suche es bei mir; und wenn du Unglück und Not erleidest, halte dich an mich. ICH, ICH will dir genug geben und dir aus aller Not helfen. Lass nur dein Herz an keinem andern  hängen und Ruhe finden.

Das muss ich noch ein wenig deutlicher erklären, auch durch gegenteilige Beispiele, damit man’s versteht. Es ist mancher, der meint, er habe Gott und ihm fehle nichts, wenn er nur Geld und Gut hat; und er verlässt sich darauf so fest und sicher, dass er auf niemand etwas gibt.

Sieh‘, dieser hat auch einen Gott, der heißt Mammon, nämlich Geld und Gut, auf das er sein ganzes Vertrauen setzt. Und das ist der allerhäufigste Abgott auf Erden. Wer Geld und Gut hat, fühlt sich sicher, ist fröhlich und unerschrocken, als sitze er mitten im Paradies. Und umgekehrt: Wer keins hat, der ist niedergeschlagen und verzagt und tut so, als wüsste er nichts von Gott. Denn man wird wenig Menschen finden, die guten Mutes sind, nicht jammern und klagen, auch wenn sie den Mammon nicht haben. So ist nun einmal die menschliche Natur bis ins hohe Alter hinein.

Ebenso auch, wer darauf vertraut und trotzt, dass er große Gelehrsamkeit, Klugheit, Macht, Einfluss, Freundschaft und Ansehen hat   auch der hat einen Gott, aber nicht den rechten, einen Gott. Daran kann man gleichfalls sehen, wie vermessen, sicher und stolz der Mensch ist, wenn er alles besitzt, und wie verzagt er ist, wenn er es nicht hat oder verliert.

Darum sage ich noch einmal, dass dies die rechte Auslegung des 1. Gebotes ist, dass „einen Gott haben“ bedeutet: etwas haben, auf das sich das Herz ganz und gar verlässt. …

So kannst du nun leicht verstehen, was und wie viel dieses Gebot fordert, nämlich das ganze Herz des Menschen und sein ganzes Vertrauen, das sich auf Gott allein und auf niemand anders richten soll. Denn dass man Gott nicht mit den Fingern ergreifen und fassen, in einen Beutel stecken oder in einen Kasten schließen kann   das ist leicht zu erkennen.

Das aber bedeutet es, Gott zu fassen, wenn ihn das Herz ergreift und an ihm hängt. Mit dem Herzen aber an ihm hängen bedeutet nichts anderes, als sich ganz und gar auf ihn verlassen. Darum will er uns von allem andern abziehen, das außer ihm ist, und will uns zu sich ziehen, weil er das eine, ewige Gut ist. …

Da siehst du nun, wie Gott geehrt sein will und welches der Gottesdienst ist, der Gott gefällt, den er auch   unter Androhung ewigen Zornes gebietet, nämlich, dass der Mensch sein Vertrauen ganz auf ihn richte und von ihm allein Hilfe erwarte und darüber alles hintenansetze, was auf Erden ist …

Die weiteren Auslegungen finden Sie hier zum Download: Arbeitshilfe 2010 – Bracht